Aktuelles

Gemeinden freuen sich über bunte Kürbiskisten

Sie nutzten die Übergabe der bunten Kürbis-Kisten für ein Gespräch: (v.l.) Kreispfarrerin Christiane Geerken-Thomas, Urte Syassen (stellv. Vorsitzende KreisLandFrauenverband Wesermarsch), Dr. Karsten Padeken (Vorsitzender Kreislandvolkverband Wesermarsch), Christine Strodthoff-Schneider (Geschäftsführerin KreisLandFrauenverband Wesermarsch), Manfred Ostendorf (Geschäftsführer Kreislandvolkverband Wesermarsch), Ute Cornelius (Vorsitzende KreisLandFrauenverband Wesermarsch).

Die Coronavirus-Pandemie verändert vieles – auch was die Feste und Aktionen rund um den Erntedank angeht. Eigentlich würden in diesen Wochen überall die Erntebälle gefeiert, und die Vorbereitungen für den Herbstmarkt in der Braker Fußgängerzone wären in vollem Gange. „Wenn die Menschen nicht zu uns in die Fußgängerzone kommen können, um sich über Landwirtschaft zu informieren und die Produkte aus den heimischen Gärten zu genießen, dann möchten wir ihnen gerne auf anderen Wegen einen Gruß aus der Landwirtschaft zukommen lassen“, sagt Ute Cornelius, Vorsitzende des KreisLandFrauenverbands Wesermarsch.

Gemeinsam mit dem Kreislandvolkverband haben die Landfrauen daher bunte Kürbiskisten gepackt, schön dekoriert und mit allen Zutaten, die man zum Backen eines herbstlichen Kürbisbrots benötigt. Auch ein Glas Kürbis-Orangenmarmelade und eine Schablone zum Schnitzen einer Kürbislaterne haben sie dazugelegt. Am Montag kam die Kreispfarrerin Christiane Geerken-Thomas nach Ovelgönne, um die Kisten stellvertretend für die Kirchengemeinden und kirchlichen Kindertagesstätten in der Wesermarsch entgegenzunehmen.

„Die Kürbiskisten sind eine tolle Idee, und ich freue mich, dass sich so viele Gemeinden und Einrichtungen gemeldet und eine Kiste bestellt haben“, sagte die Kreispfarrerin bei ihrem Besuch. „Gerade rund um das Erntedankfest gibt es viele Anknüpfungspunkte zwischen Landvolk, Landfrauen und den Kirchengemeinden. Das wollen wir gerne weiter pflegen und ausbauen.“

Insgesamt haben die Vorstandsmitglieder des KreisLandFrauenverbands dreißig Kürbiskisten gepackt, die an zehn Kirchengemeinden, einen Kindergarten, einen Spielkreis und an das Diakonische Werk Wesermarsch verteilt werden. Interessierte Gemeinden und Einrichtungen konnten sich vorab beim Kreislandvolkverband melden. „Wir hoffen, dass die Kindergärten, Seniorengruppen und alle anderen Empfängerinnen und Empfänger viel Freude beim Backen und Basteln haben und entdecken, wie vielfältig sich unsere regionalen Lebensmittel verwenden lassen“, sagt Ute Cornelius. Frisch zubereitete regionale und saisonale Produkte seien nicht nur lecker und vergleichsweise günstig, sondern dank kurzer Transportwege auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

Die Kreispfarrerin Christiane Geerken-Thomas nutzte die Gelegenheit, um mit den Landfrauen sowie mit dem Landvolk-Vorsitzenden Dr. Karsten Padeken ins Gespräch über die Situation der Landwirtschaft in der Wesermarsch zu kommen. Die Themen reichten von der durchschnittlichen Größe der Betriebe bis hin zum Mobbing von Landwirtskindern, das in der Wesermarsch aber weit seltener anzutreffen sei als etwa im Landkreis Oldenburg, wo Christiane Geerken-Thomas zuvor als Gemeindepfarrerin tätig war.

„Die Ortslandvolkvereine bilden, genau wie die Kirchengemeinden, in den Ortschaften das soziale Netz und den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, betonte Karsten Padeken. „Wir wollen das Leben im ländlichen Raum lebendig halten und gestalten – wo es sich anbietet, gerne auch in gemeinsamen Aktionen.“

 

 

ASP: Landvolk sieht große Probleme für Schweinehalter

Der Kreislandvolkverband Wesermarsch ist in großer Sorge aufgrund der erstmals aufgetretenen Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. „Dies wird vermutlich massive Auswirkungen auf die Vermarktungsmöglichkeiten für deutsche Schweinehalter haben“, sagt Geschäftsführer Manfred Ostendorf.

In der Wesermarsch gibt es nur knapp 20 Betriebe mit rund 4000 Schweinen. Diese Betriebe müssen sich jetzt auf einen höchst unsicheren Markt einstellen: Ab dem ersten Nachweis der ASP bei einem Wildschwein in Deutschland – es muss noch nicht einmal ein Hausschwein betroffen sein – ist der Export in „Drittländer“ (außerhalb der EU) nicht mehr möglich, da Deutschland die Bedingungen der meisten Veterinärzertifikate nicht mehr erfüllt. Dieser Export ist wichtig, da dorthin vor allem die Teile vom Schwein gehen, die der deutsche Verbraucher nicht verzehrt, wie Pfötchen, Fette oder Specke.

Der Handel im EU-Binnenmarkt ist dagegen für alle Mitgliedstaaten gleich geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen weiter möglich. Der Handel von Tieren und Fleisch ist uneingeschränkt möglich, nur für die Restriktionszone in unmittelbarer Umgebung des aufgetretenen ASP-Falls gelten strenge Auflagen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.

Für den Menschen ist das ASP-Virus ungefährlich. Und auch auf die Haltung von Hausschweinen in der Wesermarsch hat das jetzt in Brandenburg nachgewiesene Virus zunächst keine Auswirkungen: Die Schweine können weiterhin wie gewohnt gehalten werden, auch mit Freiland-Auslauf. Ein Sperrbezirk wird nur im unmittelbaren Umkreis um den Fundort des infizierten Wildschweins eingerichtet. Dennoch sind Schweinehalter aufgefordert, die strengen Hygienevorkehrungen weiter einzuhalten.

Der Kreislandvolkverband appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger und insbesondere an Jäger, die in die betroffenen Regionen nach Brandenburg oder ins benachbarte Polen reisen, auf Hygiene zu achten. Das ASP-Virus könne nicht nur von Wildschweinen, sondern auch über Lebensmittel, Kleidung und Gegenstände übertragen werden. Selbst ein auf einem Parkplatz weggeworfenes Salamibrot könne die Krankheit weiterverbreiten.

 

 

Landwirtschaft macht Unsicherheit zu schaffen

Bei der Mitgliederversammlung des Kreislandvolkverbands Wesermarsch stand auch die Wahl einiger Vorstandsmitglieder auf der Tagesordnung. In ihren Ämtern bestätigt wurden (v.r.) Dr. Karsten Padeken als Vorsitzender, Rainer Mönnich als Vorstandsmitglied und Hendrik Lübben als stellvertretender Vorsitzender.

Unter Corona-Bedingungen fand jetzt die Mitgliederversammlung des Kreislandvolkverbands Wesermarsch statt, die eigentlich für März geplant war und nun in der Stadthalle Elsfleth nachgeholt wurde. Aufgrund der Abstandsregelungen waren nur die 73 Delegierten sowie die Vorstandsmitglieder zu der Veranstaltung eingeladen worden, die normalerweise für alle Mitglieder und Gäste offen gewesen wäre.

Die Coronavirus-Pandemie sei auch an der Landwirtschaft nicht spurlos vorübergegangen, berichtete der Vorsitzende Dr. Karsten Padeken. Aufgrund der abgebrochenen Lieferketten sei der bis dahin stabile Milchpreis abgesunken und stehe jetzt bei rund 32 Cent pro Liter. Auch die Probleme bei den Schlachthöfen hätten die Landwirte zu spüren bekommen. „Ich möchte aber nicht tauschen mit der Tourismusindustrie oder dem Gastgewerbe“, betonte Karsten Padeken. Am meisten zu schaffen mache der Branche jedoch die Unsicherheit, die bereits vor Corona bestand: Wie soll es weitergehen angesichts der weiter steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft einerseits und der jetzt schon nicht kostendeckenden Preisen andererseits?

Im „Niedersächsischen Weg“, der derzeit in Hannover ausgehandelt wird, sollen Landwirte für zusätzliche Umweltleistungen wie breitere Gewässerrandstreifen oder besserer Wiesenvogelschutz eine Entschädigung erhalten, die den wirtschaftlichen Nachteil in voller Höhe ausgleicht. Karsten Padeken berichtete vom aktuellen Stand des Vorhabens, das noch in diesem Monat in die Beratungen des Niedersächsischen Landtags eingebracht werden wird.

Es sei gelungen, in den Beratungen zum Wiesenvogelschutz die Sichtweise der Landwirte einzubringen. Allein mit gesetzlichen Maßnahmen erreiche man hier wenig, sondern nur mit finanziell vernünftig ausgestatteten freiwilligen Programmen, die vor Ort von Naturschützern und Landwirten gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Auch bei den Regelungen zu den Gewässerrandstreifen würden die besonderen Gegebenheiten der Küstenregion mit ihrem ausgedehnten Grabennetz und den kleinen Feldblöcken berücksichtigt.

Stefan Koch (Mitte) wurde als langjähriger Leiter der Landvolk-Buchstelle offiziell verabschiedet. Der Vorsitzende Dr. Karsten Padeken (r.) und Geschäftsführer Manfred Ostendorf bedankten sich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Im Rückblick auf das Geschäftsjahr 2019 erinnerte der Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf an wichtige strukturelle Veränderungen im Verband: Im Herbst konnte das neu gebaute Seminargebäude neben dem Landvolkhaus in Ovelgönne eingeweiht werden. Im Altbau war somit Platz für die Geschäftsstelle des Kreislandvolkverbands Friesland, die Ende des Jahres hierher verlegt wurde. Mit dem Jahreswechsel hat der Verband seine Buchstelle an den Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland verpachtet, die jetzt von dem jungen Steuerberater Menno Burmann geleitet wird. Der langjährige Steuerberater Stefan Koch ist im Frühjahr in den Ruhestand gewechselt und wurde bei der Versammlung noch einmal offiziell verabschiedet.

Bei den turnusgemäßen Wahlen wurden Dr. Karsten Padeken einstimmig in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Auch der stellvertretende Vorsitzende Hendrik Lübben (Nordenham) sowie das Vorstandsmitglied Rainer Mönnich (Berne) wurden von der Versammlung wiedergewählt.

 

 

Hauptsaison auf den Bauernhöfen fällt aus

Der Ruhwarder Landwirt Jörg Kuck bietet normalerweise im Sommer regelmäßige Führungen durch den Kuhstall an. Coronabedingt muss dieses Angebot im Moment aber pausieren.

Der Sommer ist normalerweise Hauptsaison für Besuche von Schulklassen, aber auch Urlaubern auf landwirtschaftlichen Betrieben in der Region. Aber die Corona-Einschränkungen haben diesen Aktivitäten einen Strich durch die Rechnung gemacht, alle geplanten Termine mussten abgesagt werden.

Der Ruhwarder Landwirt Jörg Kuck bietet während der Schulferien normalerweise montags eine zweistündige Führung durch seinen Milchviehbetrieb an, bei der die Besucher viel Wissenswertes über den Weg vom Gras zur Milch lernen und mit allen Sinnen erleben, wie es in einem modernen Kuhstall aussieht. „Die Führungen wäre jetzt zwar wieder erlaubt, aber bei uns im Stall hätten wir Probleme, die notwendigen Abstände einzuhalten. Daher haben wir uns entschieden, im Moment erstmal nichts anzubieten“, berichtet Jörg Kuck.

Die Führungen finden im Rahmen des Bildungsprojekts „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ statt, über das sie auch finanziell gefördert werden. So können sie für die Teilnehmer kostenlos angeboten werden. Beim Kreislandvolkverband Wesermarsch als regionalem Bildungsträger laufen die Fäden des Projekts zusammen. Dort können sich Schulen, Vereine und andere Gruppen melden, wenn sie landwirtschaftliche Betriebe besichtigen möchten. Andrea Vogt, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit, vermittelt dann den Kontakt zu den Landwirten.

Auch Anke Plümer, die gemeinsam mit ihrem Mann Harald die Deichschäferei in Feldhausen betreibt, ist Teil des „Transparenz schaffen“-Netzwerks und lädt in den Sommermonaten normalerweise immer mittwochs zum „Feldhauser Schäferstündchen“ ein, das nicht selten 80 bis 100 Besucher anzieht. Aufgrund der Corona-Situation hat sie sich ebenfalls dazu entschieden, bis auf Weiteres zu pausieren, auch mit dem benachbarten Melkhus, das eigentlich eine beliebte Raststation für Radler und Spaziergänger ist. „Das Melkhus ist für Selbstbedienung ausgelegt, aber dann kann ich die notwendige Hygiene nicht sicherstellen“, nennt sie den Grund für die Entscheidung. „Bei den Führungen wäre der Organisationsaufwand immens – es ginge nur mit vorheriger Anmeldung und der Dokumentation aller Besucherdaten.“

Mit ihrem Angebot „Eine Zeitreise in die Speisekammer der Bronzezeit – Ernährung früher und heute“ nimmt auch der Verein Bronzezeithaus Hahnenknoop am Programm „Transparenz schaffen“ teil. Und auch hier ruhen die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten, nicht zuletzt, weil viele der ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder der Altersgruppe 60+ angehören. Ilona Gradic, die Vorsitzende des Vereins, rechnet nicht damit, dass die Situation sich nach den Sommerferien ändert. „Die Schulen sind dann sicherlich erstmal damit beschäftigt, den versäumten Lernstoff aufzuarbeiten. Wir stellen uns darauf ein, dass wir erst im nächsten Jahr wieder Veranstaltungen anbieten werden. Das ist schade – denn das anschauliche, praktische Erleben vor Ort lässt sich durch nichts ersetzen.“

 

 

Der “Niedersächsische Weg” – was bedeutet das für unsere Region?

Die Diskussion um das Thema Artenschutz und den “Niedersächsischen Weg” ist in vollem Gange. Aber was genau ist eigentlich vereinbart worden in der gemeinsamen Erklärung von Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie den Umweltverbänden NABU und BUND? Und welche der Vereinbarungen betreffen ganz besonders unsere Region?

Die Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland haben ein gemeinsames Positionspapier vereinbart, das in den vergangenen Wochen den Mitgliedern vorgestellt und auf Sitzungen der Beiräte (bestehend aus den Vorsitzenden der Ortslandvolkvereine) nahezu einstimmig verabschiedet wurde. Wir möchten damit einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion über das Thema leisten und gleichzeitig deutlich machen, wie ein kooperativer Naturschutz bei uns in der Region funktionieren könnte.

Zum Download Positionspapier der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch zum Niedersächsischen Weg (pdf-Dokument, 128 KB)

Zum Download “Der niedersächsische Weg” – Langfassung (pdf-Dokument, 2,4 MB)

 

 

Gemeinsamer „Niedersächsischer Weg“ statt Volksbegehren

Artenvielfalt erhalten und Natur schützen – gegen diese Ziele hat wohl kaum jemand etwas einzuwenden. Aber es geht um das Wie: Setzt man sich mit allen Beteiligten an einen Tisch und sucht nach Lösungen, oder diktiert man den Landwirten, was sie künftig zu tun und zu lassen haben? Diese Frage stellt sich der Kreislandvolkverband Wesermarsch angesichts der Unterschriften-Sammelaktion von NABU, BUND und der Partei Bündnis 90/Die Grünen für das Volksbegehren Artenvielfalt auf dem Braker Wochenmarkt.

Mit dem „Niedersächsischen Weg“ gibt es bereits einen Zusammenschluss von Landvolk Niedersachsen, der Landwirtschaftskammer, dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium sowie den beiden Umweltverbänden NABU und BUND. Gemeinsam haben alle Beteiligten im Mai eine Absichtserklärung mit gemeinsamen Zielen in Bezug auf den Artenschutz unterschrieben. „Wir sind offen und bereit, Veränderungen mitzugestalten. Daher können wir nicht verstehen, warum die Umweltverbände jetzt ausscheren und einen Alleingang vorziehen“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands. „Nachhaltige Kooperation sieht anders aus.“

Beim Kreislandvolkverband hat man den Eindruck, dass es bei dieser Vorgehensweise auch um politische Taktik geht: Hinter dem „Volksbegehren Artenschutz“ stehen nicht nur Umweltverbände, sondern ganz maßgeblich auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen, die damit ein dankbares Thema für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr und die Landtagswahlen 2022 in der Hand hätten.

Die Unterschrift unter das Volksbegehren ist schnell gesetzt, welche Einschnitte dies für die betroffenen Landwirte bedeute, ist dagegen kaum jemandem klar. So schreibt das Volksbegehren vor, dass Wiesen in den Vogelschutzgebieten erst nach dem 15. Juni gemäht werden dürfen. Davon wären in der Wesermarsch fast 20 Prozent der Flächen betroffen. „Wenn Grünland erst so spät gemäht wird, verliert das Gras an Energie, davon gibt keine Kuh mehr Milch“, erläutert Karsten Padeken. „Für die Milcherzeugung wären die Flächen dann wertlos.“

Auch der geplante Randstreifen von fünf bzw. drei Metern entlang von Gewässern, auf denen keine Pflanzenschutzmittel und kein Dünger ausgebracht werden dürften, würde erhebliche Einschränkungen bedeuten – in der Wesermarsch gibt es ein 20.000 Kilometer langes Grabennetz. Bei Festlegung derartiger Randstreifen würden bis zu 15 Prozent der Futterflächen betroffen sein. Der vorgesehene Erschwernisausgleich, den das Volksbegehren Artenvielfalt verspricht, gleicht die Verluste bei weitem nicht aus.

Dabei ist die Landwirtschaft in der Wesermarsch mit dem großen Grünlandanteil, den bäuerlichen Familienbetrieben, der weit verbreiteten Weidehaltung und den kurzen Wegen zu den regionalen Molkereien doch genau die Landwirtschaft, die gesellschaftlich gewollt ist. „Wenn wir diese Betriebe lahmlegen und die Lebensmittel stattdessen aus dem Ausland importieren, ist der Natur doch auch nicht geholfen“, betont Karsten Padeken. „Naturschutz kann nur funktionieren, wenn man kooperiert und mit allen Beteiligten ins Gespräch kommt – und auch bleibt.“

 

 

Grünland zum Blühen bringen

Sie setzen sich für die Artenvielfalt im Grünland ein: (v.l.) Dirk Decker (Vorsteher der Stadlander Sielacht), Minke Harbers (Landkreises Wesermarsch), Dr. Parastoo Mahdavi Mazdeh (Universität Oldenburg), Ingo Bischoff (Kreislandvolkverband Wesermarsch), Mathias Paech (Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen).

Wer auf Grünland die Artenvielfalt fördern möchte, kann in der Regel nicht einfach einen Blühstreifen anlegen – es gilt das Umbruchverbot, und werden Samen von Blühpflanzen auf einer bestehenden Grasnarbe aufgebracht, haben die jungen Pflänzchen meist keine Chance gegen die kräftigen Graswurzeln. Ändert man jedoch die Bewirtschaftung, beispielsweise entlang von Wegen oder Gewässern, entwickelt sich dort nach einigen Jahren von selbst eine regionstypische Vielfalt im Grünland, die heimischen Arten Nahrung und Lebensraum bietet.

Kuckucks-Lichtnelke, Beinwell, Wiesenschaumkraut, Rotklee oder Hahnenfuß – mehr als 25 Arten hat die Vegetationskundlerin Dr. Parastoo Mahdavi Mazdeh von der Universität Oldenburg auf einem Gewässerrandstreifen nahe Sürwürden (Landkreis Wesermarsch) gezählt, der seit Jahren extensiv genutzt wird. Gemeinsam mit Ingo Bischoff (Kreislandvolkverband Wesermarsch), Mathias Paech (Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen), Dirk Decker (Vorsteher der Stadlander Sielacht, der die Fläche gehört) und Minke Harbers (Landkreises Wesermarsch) hat sie überlegt, welche Maßnahmen sinnvoll und auch umsetzbar wären.

„Wichtig ist, dass die Fläche abgemäht wird“, sagt Ingo Bischoff. „Allerdings erst, nachdem die Pflanzen geblüht haben, also etwa ab Mitte Juni.“ Das Gemähte sollte idealerweise einige Tage liegen bleiben und zu Heu trocknen, damit die Pflanzen aussamen können. Das Heu muss anschließend jedoch abgefahren werden, sonst würde der Nährstoffgehalt des Bodens steigen und das Graswachstum begünstigen. Ein zweiter Mähtermin im Herbst ist sinnvoll. Würde der Streifen nicht gemäht, könnte sich unerwünschte Vegetation wie Reithgras oder Bäume ansiedeln.

Gerade die Küstenmarschen mit ihrem dichten Grabennetz bieten sich für solche artenreichen Gewässerrandstreifen an, die vernetzte Lebensräume für eine Vielfalt von heimischen Pflanzen und Tieren darstellen. Das Landvolk sieht in extensiv genutzten Grünlandstreifen auch für andere Flächeneigentümer, z.B. die Wasser- und Bodenverbände oder die Kommunen mit ihren Wegrandstreifen, ein Modell mit Potenzial.

 

 

Landwirte sehen keinen Nutzen in Entwicklungszone

Die Landwirte aus Jade sehen keinen Nutzen im Beitritt ihrer Gemeinde zur Entwicklungszone des Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer. Kreislandvolk-Vorsitzender Dr. Karsten Padeken (vorne, l.) und das Ehepaar Anja und Uwe Stollberg (vorne, r.) nannten im Gespräch mit der Presse die Gründe.

„Wird die Gemeinde Jade zur Entwicklungszone für das Biosphärenreservat, befürchten wir immer weitere Auflagen für unsere Arbeit als Landwirte“, sagen Uwe und Anja Stollberg aus Jaderaußendeich. „Die Nationalparkverwaltung sagt zwar, dass sie nichts plane – aber schriftlich will uns das niemand garantieren.“ Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Berufskollegen wollen die beiden am Dienstag zur entscheidenden Ratssitzung in der Großsporthalle Jaderberg kommen und vorher noch Kontakt zu den Ratsherren und -frauen aufnehmen, um ihre Bedenken deutlich zu machen.

Darum geht es: Das Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer soll um eine Entwicklungszone erweitert werden, um Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung zu werden. Die Städte und Gemeinden entlang der Wattenmeerküste können entscheiden, ob sie der Zone beitreten möchten oder nicht. Der Knackpunkt für die Landwirte: Eine Gemeinde kann nur mit ihrer gesamten Fläche beitreten – der weit überwiegende Teil davon ist in Jade landwirtschaftlich genutzte Fläche, die sich im Privatbesitz befindet. Als Eigentümer dieser Flächen sind die Landwirte also direkt betroffen von der Entscheidung pro oder contra Entwicklungszone.

„Mit dem Beitritt zur Entwicklungszone des Biosphärenreservats entsteht eine neue Gebietskulisse, und damit haben wir in der Vergangenheit leider keine guten Erfahrungen gemacht“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. Als Beispiel nennt er die Ausweisung der Vogelschutzgebiete in Butjadingen und entlang des Jadebusens. „Am Anfang haben alle beteuert, dass damit keine Einschränkungen in der Bewirtschaftung verbunden sind“, erinnert er sich. „Dann kamen doch Auflagen und damit verbunden eine Wertminderung der Flächen.“

Denselben Effekt befürchten die Landwirte, wenn ihre Flächen künftig als Biosphärenreservat ausgewiesen sind. Im Volksbegehren Artenschutz, das der NABU Niedersachsen gestartet hat, werden beispielsweise Sonderregelungen für Schutzgebiete gefordert. So soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dort komplett verboten werden. „Dann wäre kein Ackerbau mehr möglich, zum Beispiel der Anbau von Mais, der uns in den vergangenen schwierigen Dürrejahren zuverlässig Futter für unsere Tiere geliefert hat“, erläutert Karsten Padeken.

Natürlich sind sich die Landwirte bewusst, dass sie angesichts der Größe ihrer Flächen eine besondere Verantwortung für ein funktionierendes Ökosystem haben, und dieser Verantwortung kommen sie auch nach: Bereits jetzt sind viele Flächen über das Regionale Raumordnungsprogramm als Gebiete mit besonderem naturschutzfachlichen Wert ausgewiesen; bei der Bewirtschaftung gelten Auflagen, um beispielsweise Rücksicht auf Brutvögel zu nehmen. „Wir meinen, das genügt – es braucht nicht noch einen zusätzlichen Akteur, der über die landwirtschaftlichen Flächen mitbestimmt“, sagt Karsten Padeken. Und Uwe Stollberg erinnert daran, dass die Landwirte trotz der Einschränkungen ihre Milch zu Weltmarktpreisen produzieren müssen und mit Produzenten aus anderen Ländern konkurrieren, die derartige Auflagen nicht erfüllen müssen – ein Spagat, der jetzt schon kaum zu schaffen ist.

Für die Landwirte stellt die Ausweisung der kompletten Gemeindefläche von Jade als Entwicklungszone daher einen viel zu hohen Preis dar, dem kein erkennbarer Nutzen gegenübersteht. Eine profiliertere Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und die Akquise von Fördergeld seien auch jetzt schon möglich, unabhängig von einem Siegel „Biosphärenreservat“.

 

 

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Küsten müssen wolfsfrei bleiben

Sie machen gemeinsam auf die Sorgen und Nöte der Weidetierhalter aufmerksam (v.l.): Dr. Karsten Padeken (Vorsitzender KLV Wesermarsch), Ute Cornelius (Vorsitzende KreisLandFrauenverband Wesermarsch), Rainer Mönnich (Vorstandsmitglied KLV Wesermarsch), Deichschäferin Christina de Jong mit ihrem Sohn und ihrem Mann Marco Bockelmann.

Seit Jahresbeginn haben Landwirte und Deichschäfer in der Wesermarsch immer wieder gerissene Tiere aufgefunden: Elf Vorfälle mit 36 toten und 18 verletzten Schafen sowie einem toten Kalb gab es; mittlerweile ist in den meisten Fällen auch amtlich festgestellt, dass es sich dabei um Wolfsrisse gehandelt hat. Nicht nur Landwirte, sondern auch Pferdehalter sind besorgt: Die Weidesaison ist in vollem Gange, und es ist zu erwarten, dass es zu weiteren Rissen kommt.

Um die Bevölkerung auf diese Sorgen aufmerksam zu machen, haben die Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland gemeinsam mit den KreisLandFrauenverbänden Wesermarsch sowie Friesland-Wilhelmshaven ihren Mitgliedern mehr als 200 Aktionsplakate zur Verfügung gestellt, die überall in den beiden Landkreisen aufgehängt wurden. Die Plakate sollen gleichzeitig die Forderungen nach einem wirksamen Wolfsmanagement in Niedersachsen bekräftigen, die die Kreislandvolkverbände bereits seit Jahren erheben:

  • Die Küstenlandkreise mit ihren langen Deichlinien müssen wolfsfreie Zonen bleiben.
  • Herdenschutzmaßnahmen wie hohe, stromführende Zäune und Herdenschutzhunde sind hier nicht möglich – die Kosten wären unverhältnismäßig, die Pflege (Grasschnitt, Treibselentfernung) nicht zu leisten, und Herdenschutzhunde eine Gefahr für die zahlreichen Ausflügler und Touristen. Ohne Beweidung ist die Deichsicherheit aber gefährdet. Es ist zu begrüßen, dass eine entsprechende Sonderregelung in der Niedersächsischen Wolfsverordnung festgeschrieben werden soll.
  • In den Grünlandgebieten entlang der Küste ist die – gesellschaftlich gewünschte – Weidehaltung weit verbreitet. Diese ist mit der – ebenfalls gesellschaftlich gewünschten – Wiederansiedlung von Wölfen nicht vereinbar. Die Weidetierhalter dürfen mit den Folgen dieses ungelösten Zielkonflikts nicht allein gelassen werden.
  • Es muss ein echtes Wolfsmanagement inklusive Bestandsregulierung in Niedersachsen und auf Bundesebene geben, mit einer festgelegten Obergrenze für den Wolfsbestand und der Möglichkeit, die Größe der Rudel präventiv zu regulieren – schon bevor ein Riss passiert ist. Sonst wird es jedes Frühjahr wieder dazu kommen, dass Jungwölfe ihren Weg nach Friesland finden, weil landschaftlich geeignetere Reviere bereits belegt sind.
  • Wölfe sind auch für Pferde und vor allem Fohlen eine Gefahr.

Daten und Fakten zur Weidehaltung

In der Wesermarsch werden rund 120.000 Rinder in ca. 620 Betrieben gehalten. Zudem gibt es 19.000 Schafe, die überwiegend von den Deichschäfereien gehalten werden zur Pflege der 94 Kilometer Flussdeiche und 62 Kilometer Seedeiche. Es gibt ca. 1200 Pferde; im Sommer steigt diese Zahl aufgrund der Pensionspferde jedoch erheblich. Die allermeisten dieser Tiere haben in den Sommermonaten Weidegang.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Wesermarsch besteht aus 25.400 Feldblöcken, die meist durch Gräben voneinander abgegrenzt sind. Die durchschnittliche Größe beträgt 2,4 Hektar. Die Kosten für eine wolfssichere Einzäunung betragen ca. 5.000 bis 10.000 Euro je Feldblock. Für einen durchschnittlichen Milchviehbetrieb kämen Kosten in Höhe von 150.000 bis 300.000 Euro zusammen. Bei Zäunen beidseitig der Gewässer wäre eine Unterhaltung kaum noch durchführbar, auch ein Wildwechsel von allen anderen Wildtieren wäre nahezu unmöglich.

 

 

Aktkion “Bienenfreundlicher Landwirt” geht in die nächste Runde

Nach dem erfolgreichen Start 2019 geht die Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ in die nächste Runde. Der Kreislandvolkverband Wesermarsch ruft seine Mitglieder dazu auf, sich an dieser niedersachsenweiten Aktion zu beteiligen und damit ihr Engagement für den Insektenschutz öffentlich sichtbar zu machen.

Wildbienen und andere Insekte spielen eine wichtige Rolle in der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen: 75 Prozent von ihnen sind auf die Bestäubung durch Bienen und andere Insekten angewiesen! Für gute Ernten und die ökologische Artenvielfalt von Pflanzen ist es daher unerlässlich, den Insekten den Lebensraum einzuräumen, den sie verdienen. Gemeinsam mit dem Bieneninstitut Celle (LAVES Institut für Bienenkunde Celle) sind Maßnahmen entwickelt worden, wie Insekten über die tagtäglichen Anstrengungen der Landwirte hinaus besonders geschützt werden können. Ziel ist es, auch Nicht-Landwirte zum Insektenschutz zu animieren, denn Jede und Jeder kann sich engagieren – jede Fensterbank und jeder Vorgarten zählen!

Und so geht es: Mit jeder Maßnahme kann man, je nach Intensität ihrer Wirkung, Punkte sammeln und in einem Teilnahmeblatt eintragen, das es unter www.eure-landwirte.de/jetzt-mitmachen-bienenfreundlicher-landwirt-2020/ im Internet zum Download gibt. Hat ein Betrieb genügend Punkte erreicht, bekommt er die jährlich verliehene Auszeichnung „Bienenfreundlicher Landwirt“. Auch in unserer traditionellen Grünlandregion, wo die Anlage von Blühstreifen nicht so einfach umzusetzen ist wie in Ackerbauregionen, können Landwirte mitmachen – wenn sie beispielsweise extensiv genutzte Weideflächen haben, die höchstens einmal im Jahr gemäht werden.

Auch natürliche Nistmöglichkeiten und Baumaterialien für den Nestbau sind auf vielen Höfen selbstverständlich. Von Totholzstapeln über Sandhaufen bis hin zum Scheunendach finden Wildbienen & Co vielerlei Zuhause. Wichtig ist: Da einige Arten auf spezielle Nistmaterialien festgelegt sind, führt nur eine Vielfalt von Angeboten und Maßnahmen zu einer Vielfalt von Insekten.

All diese Maßnahmen erfolgen von Landwirten freiwillig als Selbstverpflichtung in Abstimmung mit dem Bieneninstitut Celle. Denn: Landwirte sind der größte Landschaftspfleger Deutschlands und der Grund, dass die Kulturlandschaft, die unser Land prägt, weiter besteht.

 

Rotes Gebiet in Moorriem: Klage ist in Vorbereitung

Die Ursache für die zu hohen Nitratwerte, die an einer Messstelle in Bornhorst an der Oldenburger Stadtgrenze gemessen wurden, kann nicht in Moorriem liegen. Das ist das Fazit eines Gutachtens, das 30 landwirtschaftliche Betriebe gemeinsam mit dem Kreislandvolkverband Wesermarsch bei dem Geologen Dr. Stephan Hannappel in Auftrag gegeben hatten und das jetzt vorliegt.

Im November hatte das Land in ganz Niedersachsen sogenannte „rote Gebiete“ ausgewiesen, die die Grundwasserbelastung mit Nitrat abbilden sollten; mit dabei war auch ein Gebiet, das sich von Moorriem bis an die östliche Stadtgrenze von Oldenburg erstreckt. „Wir konnten schon damals überhaupt keinen Zusammenhang zwischen der belasteten Vorfeld-Messstellen in Bornhorst und dem ausgewiesenen Gebiet erkennen“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. „Das Gutachten, was jetzt vorliegt, bestätigt unsere Einschätzung.“

Der Gutachter weist darin unter anderem nach, dass die Messstelle in Bornhorst aus westlicher Richtung angeströmt wird, also aus dem städtischen Bereich, und nicht aus östlicher Richtung von Seiten der Wesermarsch. Dafür sprechen auch die Höhenverhältnisse: Die Gebiete in Moorriem liegen tiefer als die Filtertiefen der Messstelle. Das Wasser, was die Messstelle durchfließt, bilde sich somit unter Ackerland und nicht unter Grünland. Daher sei die Messstelle nicht repräsentativ für das ausgewiesene Gebiet in der Wesermarsch.

„Dieses Gutachten werden wir jetzt an die Ministerien für Umwelt sowie für Landwirtschaft in Hannover weiterleiten und abwarten, ob bis Ende Juni eine Stellungnahme dazu bei uns eingeht“, beschreibt Karsten Padeken das weitere Vorgehen. „Sollte sich nichts tun, werden wir eine Klage einreichen, die bereits in Vorbereitung ist.“ Stellvertretend für die Klagegemeinschaft aus den dreißig betroffenen Landwirten wird Dirk Hanken als Kläger auftreten, der in Birkenheide einen Grünlandbetrieb mit 167 Hektar Fläche bewirtschaftet, die vollständig in dem ausgewiesenen roten Gebiet liegt.

„In der Wesermarsch besteht die landwirtschaftliche Fläche zu mehr als 90 Prozent aus Grünland, außerdem haben wir gerade in Moorriem viel Moorboden. Beides lässt Stickstoff nicht in die tieferen Bodenschichten durch“, erläutert Karsten Padeken. „Daher liegen die Werte an den Vorfeld-Messstellen im gesamten Landkreis bei 0,2 bis 0,6 mg und damit weit unter dem Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Wasser. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum dies in Moorriem anders sein sollte.“ Da die betroffenen Landwirte somit auch keinen Beitrag leisten könnten, um die Werte an der Messstelle in Bornhorst zu verbessern, müsse das ausgewiesene Gebiet aus der Kulisse wieder hinausgenommen werden.

 

Landwirte sind in großer Sorge um Lämmer

Die Bedrohung durch den Wolf wird immer drängender: Nachdem es bereits in den vergangenen Wochen immer wieder Risse gegeben hatte, ist in Moorhausen jetzt zum ersten Mal ein neugeborenes Kalb aus einem Stall herausgeholt und getötet worden – aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls von einem Wolf. „Unsere Landwirte sind in großer Sorge um ihre Tiere, vor allem um die Schafe“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. „In den vergangenen Wochen war in den meisten Betrieben Lammzeit, und die Tiere befanden sich im Stall. In diesen Tagen geht es mit den jungen Lämmern aber wieder hinaus auf die Weiden und die Deiche. Ich möchte mir das Bild gar nicht vorstellen, wenn es dort den ersten Wolfsangriff gibt.“

Wölfe machen, anders als immer wieder vorhergesagt, auch vor Schafen auf den Deichen nicht Halt: In dieser Woche gab es einen verheerenden Riss am Emsdeich in Westoverledingen (Landkreis Leer), wo mehr als 20 Schafe tot aufgefunden wurden, teils grausam zugerichtet. Das Landvolk hatte immer wieder gefordert, dass die Küstengebiete wolfsfreie Zonen bleiben müssen, da entlang der Deiche Herdenschutzmaßnahmen wie stromführende Zäune oder Herdenschutzhunde angesichts der zahlreichen Touristen und Ausflügler nicht umzusetzen sind. Außerdem werden vor allem in den Küstenregionen viele Tiere auf der Weide gehalten – ein reich gedeckter Tisch für Wölfe.

„Wölfe, die in Ställe eindringen und auf unseren Deichen unterwegs sind, sind für uns Problemwölfe, die gezielt entnommen werden müssen“, fordert Karsten Padeken. „Es muss endlich ein echtes Wolfsmanagement in Niedersachsen mit einer Regulierung des Bestands geben. Sonst wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächsten Tiere hier auftauchen.“

 

Corona: Auch Landwirtschaft ist „kritische Infrastruktur“

Das Coronavirus ist auch für die Landwirte in der Wesermarsch ein Thema. Zwar haben sie berufsbedingt in der Regel weniger Sozialkontakte als Mitarbeiter in Arztpraxen oder Supermärkten und können daher einfacher die empfohlenen Verhaltensregeln umsetzen und Abstand zu ihren Mitmenschen halten. Sollten sie jedoch erkranken, wäre dies besonders problematisch: Die Tiere müssen ja trotzdem weiter versorgt werden, und eine Ersatzarbeitskraft ist oft nur schwer zu organisieren.

„Das Gesundheitsamt geht derzeit davon aus, dass bei einer verordneten häuslichen Quarantäne die betreffenden Landwirte weiterhin ihre Arbeit auf den Betrieben verrichten dürfen“, hat Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, auf Nachfrage beim Landkreis erfahren. Sollte ein Mitarbeiter betroffen sein, könnte der in Absprache mit dem Gesundheitsamt die angeordnete Quarantäne auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen, bei dem er angestellt ist, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen.

Eine Übertragung des Virus auf die Tiere braucht dabei niemand zu befürchten: Bislang gebe es darauf keinerlei Hinweise, so das Friedrich-Löffler-Institut. Auch eine Übertragung über Lebensmittel wie beispielsweise Milch ist nach Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung noch nicht beobachtet worden.

Für die Landwirte in der Wesermarsch ist aber nicht nur wichtig, dass sie ihre Tiere versorgen und die Milch weiter abgeholt und zur Molkerei gebracht werden kann. Sie müssen jetzt im Frühjahr auch mit den Arbeiten auf dem Feld beginnen, um den Sommer über Gras und Mais als Futter für ihre Tiere ernten zu können. „Auf vielen Betrieben steht jetzt erst einmal die Neuansaat der Grasnarbe an, die durch die Mäuseplage komplett zerstört worden ist“, sagt Manfred Ostendorf. „Das muss jetzt bald losgehen, sobald die Flächen abgetrocknet sind. Die Milchviehhalter sind auf frisches Gras angewiesen, die meisten Betriebe müssen schon längst Futter zukaufen.“ Daher sei es wichtig, dass ein Landwirt auch unter Quarantäne auf seinem Trecker die Felder bearbeiten darf. Die Einzelheiten sollten Betroffene mit dem Gesundheitsamt abklären.

„Die Corona-Krise führt uns vor Augen, wie schnell unsere globalisierte, durchgetaktete Welt aus dem Gleichgewicht geraten kann“, betont Manfred Ostendorf. „Wir sehen, wie wichtig es ist, dass wir uns bei den Waren des täglichen Bedarfs nicht von Lieferungen aus dem Ausland abhängig machen. Insofern gehören die Landwirte genauso zur ,kritischen Infrastruktur‘ wie die Mitarbeiter im Supermarkt; sie alle stellen die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln sicher.“

 

 

Antragsverfahren zur Wiederherstellung von geschädigtem Dauergrünland läuft an

Die Mäuseplage hat dem Dauergrünland auf vielen Standorten in Friesland, Wilhelmshaven und der Wesermarsch stark zugesetzt, großflächig drohen Totalausfällen der Grasnarbe. Ab sofort kann mit einem sogenannten „Antragsverfahren höherer Gewalt“ die Wiederherstellung von betroffenen Dauergrünland beantragt werden.

Dieses Verfahren ist nicht das, was das Landvolk wollte. Es ist vielmehr das Ergebnis der beteiligten Ministerien und Behörden. Zu allem Übel hat das Niedersächsische Umweltministerium einen Erlass an die betroffenen Unteren Naturschutzbehörden versandt. Durch diesen Erlass ist zu befürchten, dass Anträge in Schutzgebieten kaum genehmigungsfähig sind oder evtl. Genehmigungen mit erheblichen Auflagen verbunden werden.

Die Kreislandvolkverbände haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Antragsverfahren zusammengestellt. Sie finden diese Hinweise nachfolgend als pdf-Dokument zum Download. Außerdem finden Sie das Antragsformular sowie das Merkblatt der Landwirtschaftskammer.

Hinweise Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland zum Antragsverfahren
Antragsformular Mäuseschäden
Hinweise Landwirtschaftskammer zum Antragsverfahren

 

Am Zukunftstag die Landwirtschaft kennen lernen

Am Zukunftstag können Schülerinnen und Schüler viel selbst ausprobieren – Trecker fahren, aber auch Kälber scheren oder landwirtschaftliche Geräte reparieren.

Kühe melken, Kälber füttern und Trecker fahren – das können Schülerinnen und Schüler aus der Wesermarsch am Zukunftstag ausprobieren, der in diesem Jahr am Donnerstag, 26. März 2020, stattfinden wird. Dabei haben sie die Wahl: Entweder können Sie den Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe ihres Wohnorts verbringen, oder sie kommen nach Elsfleth-Butteldorf auf den Familienbetrieb von Ralf Meiners. Dort werden Schüler der Berufsbildenden Schule III Oldenburg gemeinsam mit dem Kreislandvolkverband Wesermarsch und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg-Nord, ein zentrales Angebot für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen auf die Beine stellen und ihnen einen Einblick in den vielseitigen Beruf des Landwirtes ermöglichen.

Die Fachschüler der BBS Oldenburg werden verschiedene Stationen gestalten, an denen die Jungen und Mädchen nicht nur praktisch tätig werden dürfen, sondern auch entsprechende Hintergrundinformationen bekommen. Geplant sind das Füttern und Melken der Kühe, die Zusammenstellung einer Futterration sowie die Kälberfütterung. Außerdem wird Getreide bestimmt und über Ackerbau informiert. An Technik interessierte Schülerinnen und Schüler haben Gelegenheit, viele verschiedene Maschinen kennen zu lernen und auf dem Trecker je nach Wetterlage das Grubbern, Pflügen, Düngerstreuen oder die Grünlandpflege mit zu machen. Zudem wird ausführlich über den Ausbildungsberuf des Landwirtes und die beruflichen Perspektiven informiert.

“Gerade landwirtschaftliche Betriebe eignen sich hervorragend, um Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen und Ihnen hautnah zu vermitteln, dass Arbeit zwar anstrengend ist, aber auch viel Spaß macht. Die Jugendlichen können viele Tätigkeiten eigenständig verrichten und die Landwirtschaft mit allen Sinnen erleben”, wirbt Andrea Vogt, Landvolk-Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für die Teilnahme.

Versorgung und Pflege der Tiere, Arbeiten auf dem Feld und der Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen – der Beruf des Landwirts ist sehr vielfältig.

Die Landwirte und alle weiteren Beteiligten freuen sich darauf, die interessierten jungen Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass dieser Beruf sehr vielseitig ist und ein selbständiges Arbeiten mit hohem Maß an Verantwortung für Mensch und Tier ermöglicht. Wenn man Interesse an der Natur, am Umgang mit Tieren und moderner Technik hat, lohnt es sich, über eine Ausbildung in diesem Beruf nachzudenken, auch wenn man nicht aus der Landwirtschaft kommt. Jedes Jahr steigen die Ausbildungszahlen. Bereits ein Drittel der Auszubildenden sind weiblich. Aufgrund der inzwischen ausgeprägten Technisierung ist der Beruf der Landwirtin auch für Frauen zunehmend attraktiv, denn er hat vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten in der gesamten Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Schülerinnen und Schüler, die den Zukunftstag in einem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen möchten, sollten sich bis zum 10. März unter der Telefonnummer 0441 340100 oder per E-Mail an ralf.minits@lwk-niedersachsen.de bei der Bezirksstelle Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen anmelden. Für Rückfragen steht auch Andrea Vogt, Telefon 04401 980522 beim Kreislandvolkverband Wesermarsch zur Verfügung.

 

26 Do
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20:00 Landvolk im Dialog 2020 – Berne-Ganspe @ Bischoffs Gasthof "Zur alten Schänke"
Landvolk im Dialog 2020 – Berne-Ganspe @ Bischoffs Gasthof "Zur alten Schänke"
Nov 26 um 20:00
Statements und Aussprachen: Was verbirgt sich hinter dem “Niedersächsischen Weg”? Hintergründe und Inhalte Steuerberater Menno Burmann und Wirtschaftsberater Tjade Gronau berichten aus ihren Tätigkeitsfeldern Verbandsstrukturen und Verbandskommunikation Aktuelle Tagesfragen und Themen vor Ort Verschiedenes Trotz der Coronavirus-Pandemie bieten wir auch in diesem Herbst unsere Mitgliederversammlungen “Landvolk im Dialog” an. Aufgrund der vielen aktuellen Themen und Ereignisse wollen wir mit Ihnen vor Ort in kleineren Gruppen mit gebührendem Abstand diskutieren. Zu dieser Veranstaltung sind alle Mitglieder herzlich eingeladen, die Getränke sind frei. Aufgrund der Corona-Situation ist die Teilnahme aber nur nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 04401 98050 oder per E-Mail an kreislandvolk@klv-wesermarsch.de möglich.