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Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland
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Das folgende Positionspapier geht an Landtags- und Bundestagsabgeordnete:

Aktuelle Milchpreiskrise – Perspektive für unsere Familienbetriebe!

Die aktuelle Milchpreiskrise mit Beginn des Russlandembargos im August 2014 schlägt in unserer Region aufgrund der hohen Anzahl an Futterbaubetrieben voll zu Buche. Unsere familiengeführten Milchviehbetriebe, aber auch all ihre Wirtschaftspartner im vor- und nachgelagerten Bereich einschließlich der Banken brauchen dringend ein politisches Signal und eine nachhaltige Unterstützung der betroffenen Betriebe. Die derzeitige Krise führt zu enormen Eigenkapitalverlusten und in nahezu 100% unserer Betriebe zur Aufnahme von Liquiditätsdarlehen im großen Umfang. Diese zusätzlichen Kredite müssen auch wieder kurzfristig getilgt werden können. Außerordentliche Krisen erfordern auch außerordentliche Maßnahmen.

Daher fordern wir eine befristete Einführung eines Freibetrages für die Tilgung von Liquiditätsdarlehen (Milchkrise 14/15/16). Vorgeschlagen wird ein Freibetrag für die betriebliche Schuldentilgung von insgesamt 150.000,00€ je Milcherzeugungsbetrieb in den Jahren 2017 bis 2020. Die Freibetragsregelung sollte sich an dem auslaufenden §14a EStG orientieren und für Gewinne aus landwirtschaftlicher Tätigkeit sowie aus dem Verkauf betrieblicher Grundstücke gelten.

Dies wäre eine wesentliche steuerliche Erleichterung zur Bewältigung der aktuellen Milchkrise und verbessert die Aussicht unserer Familienbetriebe, die jetzt dringend benötigten Kredite in den Folgejahren wieder tilgen zu können Es wäre darüber hinaus eine klare Botschaft an die Banken, an die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche, dass der Staat und die Politik hinter der heimischen Milchproduktion stehen.

Die Situation auf unseren Betrieben ist derzeit mehr als bedrohlich und eine Trendwende im Milchmarkt ist noch immer nicht erkennbar. Im Raum Friesland-Wesermarsch wirtschaften fast 900 Familien in der Milchproduktion. Aufgrund der regionalen Besonderheiten haben sich unsere Familien auf die Milchproduktion konzentriert, da auf Grünlandstandorten Alternativen so gut wie nicht bestehen.

Viele Betriebe sind für die Zukunft gerüstet, Hofnachfolger sind vorhanden und Investitionen in Stallneubauten etc. wurden getätigt. Gerade diese Familien stehen der derzeitigen Krise sehr ratlos gegenüber und brauchen dringend eine Perspektive bzw. Unterstützung. Als Berufsstand sehen wir inzwischen den gesamten Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft in unserer Region einschließlich aller vor- und nachgelagerten Bereiche als stark gefährdet.

Wir appellieren daher eindringlich an alle Verantwortlichen, sich schnellstmöglich für ein „Steuerentlastungsmodell“ einzusetzen und dieses auf den Weg zu bringen. Für Rückfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen                                                                                          F.d.R.

gez.   Dr. Karsten Padeken        gez. Hartmut Seetzen                               Manfred Ostendorf

  1. Vorsitzender                        1. Vorsitzender                                            Geschäftsführer

 

Deutscher Bauernverband
www.bauernverband.de 1
05. April 2016
Forderungen des Berufsstandes an die nationale Politik:
Entlastungsprogramm für die Landwirtschaft
Die europäischen Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft in der aktuellen
Marktkrise bedürfen der nationalen Flankierung. Der Deutsche Bauernverband fordert ein
breit angelegtes Entlastungsprogramm:
1. Unterstützung der Betriebe in der akuten Krisensituation
Die Preiskrise bringt viele Betriebe in akute finanzielle Probleme und in eine
existenzbedrohende Situation. Sofort wirksame Maßnahmen, die die Liquidität der Betriebe
sichern, sind das Gebot der Stunde. Solange eine europäische Lösung nicht in Sicht ist,
muss diese Unterstützung aus nationalen Mitteln bestritten werden. Dazu gehören
unmittelbare und unbürokratisch zugängliche Liquiditätshilfen und unbedingt auch
Bürgschaftsprogramme.
2. Entlastungen für die Sozialversicherungen und im steuerlichen Bereich
2.1 Die Bundeszuschüsse für die Landwirtschaftliche Unfallversicherung müssen in den
Jahren 2017 und 2018 auf 200 Mio. Euro angehoben werden.
2.2 Der DBV fordert ein steuerliches Paket zur strukturellen Stärkung der landwirtschaftlichen
Betriebe, bestehend aus:
a) Erleichterungen beim Investitionsabzugsbetrag (§7g EStG): Ein in Vorjahren gebildeter
Abzugsbetrag sollte wie im Rahmen der bis 2007 geltenden Ansparabschreibung im
Falle unterbliebener geplanter Investitionen nicht rückwirkend aufgelöst werden
müssen, sondern erst nach Ablauf der Investitionsfrist und ohne Gewinnzuschlag.
Landwirte, die unerwartet in die Krisensituation geraten sind und ursprünglich
beabsichtigte Investitionen jetzt nicht mehr leisten können, werden von steuerlichen
Zusatzlasten befreit.
www.bauernverband.de 2
b) Befristete Einführung eines Freibetrages für die Tilgung von Liquiditätshilfedarlehen.
Vorgeschlagen wird ein jährlicher Freibetrag für die betriebliche Schuldentilgung von
insgesamt 150.000 Euro je land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in den Jahren 2017
bis 2020. Die Freibetragsregelung sollte sich am ausgelaufenen § 14a EStG
orientieren und für Gewinne aus land- und forstwirtschaftlicher Tätigkeit sowie aus dem
Verkauf betrieblicher Grundstücke gelten.
Dies würde eine wesentliche steuerliche Erleichterung der zur Bewältigung der
aktuellen Situation aufgenommenen und in den kommenden Jahren zu tilgenden
Darlehen darstellen.
c) Ausweitung der steuerlichen Risikovorsorgemöglichkeiten für land- und forstwirtschaftliche
Betriebe, um dem für die gesamte Primärerzeugung geltenden besonderen
Wirkmechanismus zwischen Marktschwankungen und Witterungs- und
Ernteschwankungen zu begegnen. Die bilanzielle Rücklage sollte im Vergleich zum
Forstschäden-Ausgleichsgesetz flexibler gestaltet sein (keine Befristung, keine direkte
Bindung an einen Ausgleichsfonds).
2.3 Seit Jahren weist die Landwirtschaft darauf hin, dass die Besteuerung von Agrardiesel
in Deutschland deutlich über dem Niveau anderer europäischer Länder liegt. Der
Rückerstattungsbetrag für die Agrardieselsteuer muss verdoppelt werden. Die
Rückerstattung muss beschleunigt werden, so dass die Auszahlung spätestens nach 3
Monaten erfolgt. Aus Personalmangel der Zollverwaltung dauert die Erstattung häufig 1
Jahr und länger.
2.4 Bund und Länder müssen sicherstellen, dass die EU Direktzahlungen bis spätestens
Dezember des betreffenden Jahres vollständig ausgezahlt werden.
3. Stärkung des Wettbewerbsrechts
Der Nachfragemacht des hochkonzentrierten Lebensmitteleinzelhandels (LEH) in
Deutschland müssen wirksamere Grenzen im Kartell- und Wettbewerbsrecht gesetzt
werden. Entsprechende Klarstellungen und Ergänzungen sind im Zuge der anstehenden 9.
Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen vorzunehmen:
3.1 Weitere Übernahmen durch die vier größten Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen
sind im Rahmen der Fusionskontrolle zu untersagen. Eine zunehmende Erhöhung der
Konzentration der Nachfragemacht des LEH würde zu einer weiteren Verschlechterung
der Wettbewerbsbedingungen in der Lebensmittellieferkette zu Lasten der
Landwirtschaft führen.
www.bauernverband.de 3
Nach den Feststellungen des Bundeskartellamtes auf den Beschaffungsmärkten des
LEH besteht ein Zusammenhang zwischen Einkaufsvolumen, Konditionengestaltung
und der Gefahr missbräuchlicher Ausnutzung der Marktposition.
3.2. Bessere Kontrolle von Marktmissbrauch: Zur Wiederherstellung von Verhandlungsund
Vertragsparität sind klare Maßstäbe zur kartellrechtlichen Überprüfung des
Äquivalenzverhältnisses zwischen der Leistung und der Gegenleistung zu entwickeln.
Die Nachfragemacht des LEH darf nicht dazu ausgenutzt werden, um gegenüber
Lieferanten Vorteile ohne sachlich gerechtfertigten Grund durchzusetzen. Es müssen
klarere rechtliche Grenzen zwischen harten Verhandlungen und der missbräuchlichen
Ausnutzung von Nachfragemacht gezogen werden.
3.3 Das bis 2017 befristete Verbot des auch gelegentlichen Verkaufs unter Einstandspreis
bei Lebensmitteln ist unbefristet zu verlängern. Es ist so auszugestalten, dass eine
gerichtsfeste Bestimmung des Bezugspreises unter Ausschluss der Anrechnung von
Werbekostenzuschüssen oder vergleichbarer Zahlungen durch die Kartellbehörden
vorgenommen werden kann. Dem von Dumpingpreisangeboten bei Lebensmitteln
ausgehenden Preisdruck auf die Erzeugerpreise müssen wirksamere Grenzen gesetzt
werden. Die bestehende Regelung des auch gelegentlichen Verkaufs unter
Einstandspreis bei Lebensmitteln hat eine präventive Wirkung. Sie kann bisher von den
Kartellbehörden nicht konkret angewendet werden, weil der Unter-Einstandspreis nicht
gerichtsfest ermittelt werden kann.
4. Markterschließung und Export forcieren
Alle Möglichkeiten zur Unterstützung bei der Erschließung neuer Absatz- und Exportmärkte
sind zu nutzen. Dazu zählt insbesondere die Bereitstellung von Hermesbürgschaften für
Exporte der Agrar- und Ernährungswirtschaft.
5. Moratorium bei Bürokratie und Auflagen
Der DBV fordert erneut wesentliche Nachbesserungen bei aktuellen Gesetzesvorhaben.
Dazu zählt insbesondere eine praxistaugliche Düngeverordnung, Korrekturen bei der NECRichtlinie
im Trilogverfahren, Bestandsschutz für alle bestehenden JGS-Anlagen sowie eine
praxistaugliche Ausgestaltung der TA Luft.

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Vollmilchpulver in der Schweinemast

Der Milchmarkt steckt in einer tiefen Krise. In ganz Europa wirtschaften die Milchviehbetriebe nicht mehr kostendeckend. Hohe Verluste sind zu erwarten und viele Bauernfamilien haben Angst vor der Zukunft. Es geht um die Existenz einer gesamten Branche. Die Europäische Union wird an ihrem Weg der Marktorientierung festhalten. Sie hat aber angesichts der Situation den Berufstand aufgefordert aktiv nach Lösungen zu suchen, die den Milchmarkt entlasten können. Eine freiwillige Mengenreduzierung ist nicht realistisch, da die Betriebe einzelbetrieblich auf jeden Cent Milchgeld angewiesen sind. Der Absatz von Molkereiprodukten läuft zufriedenstellend, allerdings auf einem katastrophalen niedrigen Niveau.
Wir schlagen daher vor Vollmilchpulver über Schweinemastfutter endgültig vom Markt zu nehmen. Zusätzlich hergestelltes Vollmilchpulver wird mit Unterstützung eines von den Milcherzeugern selbst finanzierten Fonds für Futtermittelhersteller als Alternative zu Soja in das Mastfutter eingemischt. Das Pulver kann bis zu 10% in den Mischungen eingesetzt werden. Für Futtermittelproduzenten und Mäster entstehen keine Nachteile, der Einsatz wäre für beide interessant. Der Organisationsaufwand ist überschaubar und die Akzeptanz bei den Landwirten ist sicher. Mit 0,5 Cent vom Milchgeld der Bauern lassen bis zu 3% der EU Milchmenge vom Markt nehmen. Dies wird einen großen Einfluss auf den europäischen Milchmarkt haben.

Vorschlag:
Vollmilchpulver in der Schweinemast

Grundidee:
Vollmilchpulver (VMP) als Proteinersatz für Sojaschrot in der Schweinefütterung einsetzen um den Milchmarkt zu entlasten.

Voraussetzung:
Der Einsatz von Vollmilchpulver muss für Futterhersteller interessant sein.
Die Einrichtung eines „Vollmilchpulver in Mast“ Fonds auf EU Ebene zur Unterstützung der Vermarktungsalternative. Die EU geht in Vorleistung, die Molkereien zahlen in den Fond ein und ziehen es dem Milcherzeuger vom Milchgeld wieder ab. Später kann der Fond möglichst ein Mindestkapital zur Verfügung haben.

Vorteile:
Die Entlastung des Milchmarktes in spürbarer Größe durch eine neue
Verwertungsmöglichkeit.
Fett und Eiweißmarkt wird gleichmäßig entlastet.
Der Milchmarkt erholt sich wesentlich schneller und nachhaltiger, es entsteht kein Pulverberg.
Die Auswirkungen auf den Milchmarkt sind für den LEH Käufer nicht abschätzbar.
WTO konform, durch Eigenfinanzierung der Bauern.
Der Einsatz von politischen Hilfen ist im Fond möglich.
Die Wirkung auf den Milchpreis ist sicher.
Die Akzeptanz der Futterumstellung ist bei den Mästern gegeben.
Mit dem Fond installiert man eine Dauerlösung (z. B. wenn der Milchpreis unter 28 ct. fällt.)
Vorteile bei der Diskussion der „heimischen“ Eiweißversorgung

Unsicherheiten:
Mögliche langfristige Sojakontrakte bei Mischfutterherstellern verzögern evtl. die Umstellung
Rechtliche Basis für den Fond und der Vermarktungspraxis ist noch nicht klar.
Politische Unterstützung muss eingefordert werden.

Nachteile:
Der Fond muss durch Milcherzeuger finanziell ausgestattet werden.
(Verzicht auf Milchgeld, 0,5 – 1Cent pro Liter)
Wirksamkeit nur bei EU weiter Umsetzung, mindestens auf Ebene der Genossenschafts-Molkereien.
Milchmenge wird nicht automatisch weniger.

Berechnung:
Milcherzeugung in Deutschland 2015 31,5 Mio. t Milch
Vollmilchpulver-Erzeugung in Deutschland 2015 68.000 t VMP
Bauern Fond Volumen 0,5 ct/kg Milch: 157,5 Mio. €
68.000 t VMP um 2530€/t auf Sojaschrotwert anheben: 172,0 Mio. €
mit 157,5 Mio € / 2530 €/t = 62253 t VMP entspricht: 91 % der dt. VMP Erzeugung
12 Mio. Mastschweinplätze in Deutschland
2,0 kg TM Aufnahme /Tag, davon max. 10% VMP = 2400 t/Tag = 876.000 t/Jahr/Deutschland

EU Milchanlieferung 160 Mio. t = 750 Mio€ Fondgeld (aus 0,5 Cent/kg Milch)
Mit 750 Mio. € zu 2530€/t Subvention aus Fond kann die Verwertung von 296.443 t VMP finanziert werden. Dies entspricht 43% der EU VMP Erzeugung und etwa 2 % der EU Milcherzeugung.

Siehe auch hierzu Ausgabe 04/2016 www.topagrar.com
Siehe ebenfalls www.facebook.com/milchmarktrettung

 

„Wir machen Euch satt“

11. Januar 2016

L P D – Landes- und bundesweit werden am kommenden Sonnabend Landwirte mit ihren Familien, Auszubildenden und Mitarbeitern in Innenstädten mit Infoständen und Aktionen vertreten sein. Sie sind die regionale Verstärkung der „Wir machen Euch satt“-Demonstration in Berlin. Sie wurde erstmals im vergangenen Jahr als Gegenpol zu einer Demonstration unter dem Namen „Wir haben es satt“ organisiert. Bauern und Bäuerinnen, insbesondere wenn sie Tiere halten, sind durch Stallarbeiten nicht so mobil und unabhängig wie viele andere Bürger, deshalb hat das Bündnis „Frag doch mal den Landwirt“ die dezentralen Aktionen angeschoben. Von Schiffdorf im Landkreis Cuxhaven bis nach Göttingen im Süden und von Meppen im Emsland bis nach Braunschweig im Osten Niedersachsens haben sich zahlreiche Landvolkkreisverbände, aber auch einzelne Landwirte unter www.wir-machen-euch-satt.de als Unterstützer eingetragen.

In Hannover, Braunschweig, Celle, Schiffdorf, Meppen, Nienburg, Oldenburg, Osnabrück oder Göttingen beispielsweise suchen Landwirte ganz gezielt den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, das Landvolk Cloppenbuerg ruft bereits am 15. Januar um 14 Uhr zu Trecker-Sternfahrt und anschließender Kundgebung  vor der Münsterlandhalle in Cloppenburg auf. Das Stader Landvolk ist in Berlin mit Äpfeln dabei, die das Motto der Demonstration ziert. Alle, ob in Berlin oder in Niedersachsen, wollen ihre tägliche Arbeit erklären, darüber informieren, wie sie ihre Tiere halten und Ackerbau betreiben. Im Mittelpunkt steht der gegenseitige Austausch, um einige immer wieder sehr provokant vorgebrachte Kritiken entkräften zu können. Die Bäuerinnen und Bauern wollen der Landwirtschaft damit zugleich ein Gesicht geben. Sie wollen zeigen, dass hinter „der Landwirtschaft“ viele gut ausgebildete Menschen stehen, denen das Wohl ihrer Tiere aber auch das der Mitarbeiter, Verbraucher und nicht zuletzt der Umwelt wichtig ist. Die Aktion „Wir machen Euch satt“ vereint große und kleine Bauern, konventionell und biologisch Wirtschaftende. Sie ist zugleich Ausdruck dafür, dass viele bäuerliche Familien pauschale Kritik und Vorhaltungen leid sind. Es stehen Landwirte im Haupt- und im Nebenerwerb hinter „Wir machen Euch satt“, Tierhalter und solche, die nur vom Ackerbau leben. Initiator war eine Gruppe von Landwirten, die hinter dem Internetauftritt www.fragdenlandwirt.de steht. Die Demonstration in Berlin unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ findet zwischen 9.15 und 11 Uhr auf dem Washington-Platz direkt vor dem Berliner Hauptbahnhof statt, es stehen in der weit überwiegenden Mehrzahl Bäuerinnen und Bauern dahinter, die von der Landwirtschaft leben. (LPD 3/2016)

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Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium

Referat 303

Calenberger Str. 2

30169 Hannover

Stellungnahme zum geänderten Entwurf einer Änderung und Ergänzung des Landes-Raumordnungsprogrammes Niedersachsen vom 10.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

als berufsständische Interessenvertretung der Landwirtschaft im Landkreis Wesermarsch nehmen wir zu dem geänderten Entwurf einer Änderung und Ergänzung des Landes-Raumordnungsprogramms Niedersachsen nachfolgend wie folgt Stellung:

Der Landkreis Wesermarsch ist geprägt durch Milchviehhaltung und Rinderzucht. Insgesamt werden ca. 120.000 Rinder gehalten. Gerade in den letzten Jahrzehnten wurde seitens der Betriebe stark in neue Milchviehställe und Ausbau der Betriebe investiert. Durch Flurbereinigungsverfahren wurden in der mittleren Wesermarsch bis in die 50er Jahre auch Moorstandorte kultiviert. Das Grünland dient als Futtergrundlage für unsere Rinder und ist daher in die nachhaltige Grasproduktion eingebunden. Die Bewirtschaftung erfolgt seitens der Betriebe angepasst an die jeweiligen Bodenverhältnisse im Kreisgebiet.

Die geplante Ausweisung von Vorranggebieten für Torferhalt als neues Planzeichen betrifft nach derzeitigem Kenntnisstand über 6.000 ha allein im Landkreis Wesermarsch. Schwerpunktmäßig sind die Gemeinden Jade, Ovelgönne, Elsfleth und Berne von der Ausweisung betroffen. Aufgrund des Maßstabes ist das derzeitig vorliegende Kartenmaterial derart unscharf, dass eine genaue Beurteilung unsererseits fast unmöglich ist.

Laut Vorgaben soll die Voraussetzung für den Vorrangstatus zum einen eine 1,30 Meter Torfmächtigkeit und mindestens eine zusammenhängende Fläche von 25 ha sein. Wir gehen derzeit davon aus, dass es zahlreiche Gebiete geben wird, die diese Vorgaben nicht erfüllen, gleichwohl als Vorranggebiete in der Landesraumordnung dargestellt werden.

Hier ist es u.E. unerlässlich, im Rahmen der aufzustellenden regionalen Raumordnungspläne detaillierte Karten zugrunde zu legen bzw. die Landkreise zu ermächtigen, Flächen die nicht in diese Kategorie fallen, auch nicht als Vorranggebiete auszuweisen.

In dem derzeitigen Entwurf sind zahlreiche Hofstellen und einige Siedlungsbereiche überlagert bzw. bis an die Haus- oder Hofgrenzen heran überplant. Grundsätzlich sind ausreichende Abstände (mindestens 500 Meter) zu vorhandenen Hofstellen und/oder Siedlungsbereichen einzuhalten. Dies ist spätestens in der Umsetzung durch die regionale Raumordnung sicherzustellen.

Wir begrüßen die Tatsache, dass auf eine Moorentwicklung mit Wiedervernässung als Planzeichen verzichtet wurde. Die “Landwirtschaftsklausel“ stellt die Daseinsberechtigung der hiesigen Landwirtschaft heraus. In Teilbereichen sind die Formulierungen etwas schwammig beschrieben. Daher bleibt zu hoffen, dass eine Auslegung zugunsten der ordnungsgemäßen Landwirtschaft zukünftig erfolgt.

Eine Ausweisung als Vorranggebiete Torferhalt kann eine deutliche Wertminderung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit nach sich ziehen. Somit sehen wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe durch derartige Planungen gefährdet. Ebenfalls sind in unserem Verbandsgebiet neue Torfabbaugebiete vorgesehen im Rahmen der Raumordnung. Dieses führt zu zusätzlichen Flächenverlust innerhalb der Landwirtschaft. Ebenfalls zu Flächenverlust führt die Neuregelung, dass bei zukünftigem Torfabbau eine Kompensation zu erfolgen hat. Auch hier besteht die Befürchtung, dass zukünftig in den Vorranggebieten seitens der Torfindustrie Kompensationsflächen angekauft werden, auch für Abbauvorhaben außerhalb der Wesermarsch. Auf diesen Kompensationsflächen ist in der Regel nur eine Moorentwicklung mit Wiedervernässung vorgesehen. Bei größeren Flächenanteilen wäre das Entwässerungssystem der Wesermarsch zusätzlich belastet bzw. überlastet. Dies wird zu einer zusätzlichen Flächenverknappung innerhalb der Wesermarsch führen. Die Berechnungsgrundlage für die Höhe der Ausgleichsmaßnahme ist aus dem derzeitigen Entwurf nicht eindeutig erkennbar.

Als Maßnahme zum Torferhalt sehen wir auch die sogenannten Deckkulturen. In der Landesraumordnung sind per se das Tiefpflügen, Kuhlen und Sandmischkulturen ausgeschlossen. Unsererseits wird jedoch gefordert, dass Deckkulturen wie Sand oder Kleiauflagen (30 bis 50 cm) als Klimaschutzmaßnahme anerkannt werden und somit auch in den regionalen Raumordnungsprogrammen im Rahmen von Bodenmanagement Berücksichtigung finden müssen.

Ebenfalls betroffen ist die Landwirtschaft durch die Vorranggebiete Biotopverbund. Zur räumlichen Konkretisierung der Vorranggebiete Biotopverbund auf nachfolgende Planungsebenen sollen insbesondere die prioritären Fließgewässerabschnitte und die gesetzlichen Überschwemmungsgebiete berücksichtigt werden. Hier sind im aktuellen Entwurf das Braker Sieltief, die Dornebbe, das Käseburger Sieltief, die Jade und die Ollen dargestellt. Bei diesen Gewässern handelt es sich nicht um Fließgewässer, sondern gemäß Wasserrahmenrichtlinie um künstliche bzw. erheblich veränderte Gewässer.

Diese Gewässer haben den ausschließlichen Auftrag, für die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsräume zu sorgen bzw. in den Sommermonaten für die Zuwässerung. Ein sehr ausgeklügeltes Wassermanagement in der Wesermarsch ist die Lebensgrundlage in den tiefgelegenen Gebieten. Jegliche Beeinträchtigung hinsichtlich der Nutzung ist daher nicht akzeptabel. Im Biotopverbund bei Gewässern ist eine Durchgängigkeit oberstes Ziel. Dieses schließt Bauwerke im Gewässer aus. Bauwerke sind jedoch auch zukünftig zur Funktionserfüllung erforderlich.

Wir sehen keinerlei rechtliche Notwendigkeit, künstliche Gewässer oder erheblich veränderte Gewässer im Rahmen des Biotopverbundes auszuweisen. Auch der in Planung befindliche Generalplan Wesermarsch mit einer kompletten Neulösung der Zuwässerung für die nördliche Wesermarsch wäre durch ein Vorranggebiet Biotopverbund in seiner Umsetzung massiv gefährdet.

Bei den Vogelschutzgebieten in der Region handelt es sich um großräumige Habitate, die keine Habitatkorridore benötigen.

Als berufsständische Interessenvertretung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums im Landkreis Wesermarsch fordern wir das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie die Niedersächsische Landesregierung auf, landwirtschaftliche Nutzflächen nicht als Vorranggebiete für Torferhalt festzulegen und keine Gewässer als Vorranggebiet Biotopverbund auszuweisen.

Mit freundlichen Grüßen                                           F. d. R.

 

gez. Dr. Karsten Padeken                                         Manfred Ostendorf

  1. Vorsitzender                                                        Geschäftsführer

 

Tag des offenen Hofes – 12. Juni 2016
Warum soll ich mitmachen?
–  „Der Tag war ein voller Erfolg“, sagen 98 % der Teilnehmer im Jahr 2014
–  91 % der bisher teilgenommen Höfe empfehlen die Veranstaltung weiter
–   Jeder 2. Betriebsleiter, der 2014 teilgenommen hat, würde nochmal dabei sein
(nicht unbedingt direkt anschließend)
–  Wer mitmacht, darf auf viele Helfer hoffen:
o Die Mehrheit der Betriebe hatte bisher keine Probleme, genügend Helfer zu
finden;
o Sowohl vom Landvolk-Kreisverband, vom Landvolk-Landesverband als auch
dem NDR gibt es Unterstützung und Informationen
–  Jeder Betrieb bekommt Unterstützung und Hilfe im Einzelnen:
o Vorbereitungstreffen mit Kreisverband und allen beteiligten Akteuren
(Anzahl dieser Treffen bestimmen die örtlichen Akteure)
o Die Arbeiten werden zwischen allen Beteiligten aufgeteilt und abgesprochen
o Programm, Aktionsangebote etc. werden gemeinsam besprochen und
organisiert (vor Ort), evtl. Erfahrungsaustausch mit ehemaligen Teilnehmern
o Unterstützung bei Genehmigungen, Anmeldungen etc. insbesondere
gegenüber allen Behörden durch Kreisverband
o Versicherungen, Gema-Gebühren übernimmt Landesverband für alle Höfe
o Werbung und Berichterstattung über NDR 1 Niedersachsen, Land & Forst,
regionale Medien
o Homepage des Landvolk-Landesverbandes stellt alle Informationen bereit
und macht Werbung (www.tag-des-offenen-hofes-niedersachsen.de)
Hier gibt es vom Antragsformular bis zur Ideensammlung für bewährte
Programmtipps und Muster für Pressetexte viele nutzbare Hinweise und
Ratschläge.
Ergänzend dazu Homepage des Deutschen Bauernverbandes
(www.die-deutschen-bauern.de/offener-hof )
o in der Regel übernimmt der Landvolk-Kreisverband alle Kosten vor Ort!!!
(Genehmigungen etc.)
–   Mancher Betriebsleiter würde es gerne „etwas kleiner“ machen – ist ihm im Prinzip
unbenommen, aber durch den NDR als Partner durch das Landvolk nicht zu steuern!
–   Teilnehmer fürchten anschließende Kritik (bevorzugt von Berufskollegen!!!), aber
auch in der öffentlichen Diskussion oder gar durch Anzeigen wg. Nichtbeachtung von
Vorschriften bei Tierschutz etc., dem kann man nur durch gute Vorabberatung und
Überprüfung der Gegebenheiten auf dem Hof vorbeugen!!!
–   Ausreden gibt es auch immer: Bauphase, familiäre Situation, Kosten u.v.m.
–   Helferparty danach als Dank an alle, schweißt zusammen, motiviert und lässt evtl.
potenzielle Interessenten für das Folgejahr erkennen….
Was sagen frühere Teilnehmer:
–  „Alle Besucherinnen und Besucher gehen mit einem guten Gefühl vom Hof. Mehr
kann man an einem Tag nicht erreichen.“
–   „Die Vorbereitung schweißt die Familie zusammen und macht Spaß.“
–  „Nie wieder hat man so viele Gäste auf dem Hof.“
–   Die Veranstaltung wird auch in den Dörfern bestens aufgenommen und sorgt lange
für positiven Gesprächsstoff.
–   Besucherresonanz ist zu nahezu 100 % positiv, Berichterstattung ebenfalls.
–  „Die meisten Höfe sind heute so aufgeräumt und ordentlich, die könnten sofort einen
Tag des offenen Hofes veranstalten.“
–   „Jeder Landwirt sollte einmal im Leben einen Tag des offenen Hofes ausrichten.“
–  Tolle Imageveranstaltung für den ganzen Berufsstand!

 

Pflanzenschutzmittel gezielt einsetzen – Rückstände und Gewässereinträge vermeiden

Pflanzenschutzmittel-Rückstandsanalysen von Grundwasser und von Oberflächengewässern zeigen, dass Überschreitungen gesetzlicher Rückstandsobergrenzen in Niedersachsen selten sind. Auch die Orientierungswerte für Reste von PSM-Abbauprodukten (nichtrelevante Metabolite) werden in der Regel deutlich unterschritten. Beim Wirkstoff Glyphosat gibt es kein erkennbares Belastungsrisiko in Gewässern, im Trinkwasser oder in Lebens- oder Futtermitteln. Einträge in Oberflächengewässer können vermieden werden, wenn Vorgaben über Mindestabstände, zur Düsenauswahl, Windgeschwindigkeit, Fahrgeschwindigkeit und Spritzdruck sowie eine sachgerechte Spritzenreinigung und Restmittelausbringung nur auf der Nutzfläche konsequent eingehalten werden. Beim gesetzlich geforderten natürlichen Abbau von Pflanzenschutzmitteln entstehen im Boden auch Abbauprodukte. Ein erhöhter Eintrag dieser Metabolite in das Grundwasser, der bei einigen Wirkstoffen festgestellt wird, ist aus Sicht des vorsorgenden Verbraucherschutzes unerwünscht und kann daher Anlass für Beschränkungen werden. Diese Wirkstoffe sind für spezielle Anwendungsfälle bzw. bestimmte Kulturen sowie für ein effektives Resistenzmanagement aber auch zukünftig für die Landwirtschaft nicht verzichtbar. Daher empfiehlt das Landvolk Niedersachsen seinen Mitgliedern und deren Beratern, bestimmte Mittel nicht als Regelbehandlung einzusetzen.Als Präventionsmaßnahme wird ein solcher Verzicht aktuell empfohlen für die Wirkstoffe

– „S-Metolachlor“ als Maisherbizid (z. B. in den Produkten Dual Gold, Gardo Gold, Innoprotect Dual Gold, Primagram Gold) und

– „Chloridazon“ als Rübenherbizid (z. B. in den Produkten Betoxon, Rebell, Pyramin, Terlin).

Bei „Metazachlor“ als Rapsherbizid (z. B. in den Produkten Butisan, Fuego, Nimbus, Katamaran, Bengala, Rapsan) besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Für eine konsequente Minimierungsstrategie im Raps bedarf es aber auch der Zulassung gleichwertiger Alternativprodukte. Gleiches gilt für

Bentazon (z. B. in Basagran, Basagran DP, Artett), auf das im Eiweißpflanzenanbau bisher nicht verzichtet werden kann. Die genannten Mittel sollten nur noch dann vom Handel abgegeben und angewendet werden, wenn die Beratung dem Landwirt keine gleichwertig wirksame Alternative benennen kann.

Glyphosat:

Glyphosat ist ein wichtiges Herbizid für bestimmte Befallssituationen, für den klima- und humusschonenden Pflugverzicht auf Ackerflächen und bei Grünlandneueinsaaten sowie für Mulchsaatverfahren im Ackerbau auf erosionsgefährdeten Standorten. Als freiwillige vertrauensbildende Maßnahme gegenüber der stark verunsicherten Bevölkerung empfiehlt das Landvolk seinen Mitgliedern, Getreide vor der Ernte (zur Sikkation) grundsätzlich nicht mit Glyphosat zu behandeln.

Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V. Warmbüchenstraße 3 · 30159 Hannover · Telefon 0511 36704 56 · Fax 0511 36704 62

landesverband@landvolk.org · www.landvolk.net · Amtsgericht Hannover VR 2723 Steuer-Nr. 25/277/00114

Präsident: Werner Hilse, Stellvertreter: Heinz Korte, Ulrich Löhr, Albert Schulte to Brinke, Hauptgeschäftsführer: Jörn J. Dwehus