Archiv 2015

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Gemeinsame Beiratssitzung vom 16.12.2015

 

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken (KLV Wesermarsch) ging unter anderem auf das Landesraumordnungsprogramm ein, für das bis zum 06.01.2016 noch Stellungnahmen abgegeben werden können. Ähnlich wie bereits in Friesland erfolgt wird es auch für die Landwirte in der Wesermarsch eine Beteiligungsmöglichkeit in Form eines „Landwirtschaftlichen Fachbeitrages“ geben.

Erhardt Bauer vom Vorstand des KLV Friesland sprach die Diskussion über die Treckermaut an. Gemeindestraßen würden oft als „Wirtschaftswege“ bezeichnet, obwohl sie strenggenommen von den Kommunen unterhalten werden müssten. Diese seien jedoch oft unterfinanziert.

Hendrik Lübben beschrieb die so noch nie dagewesene Situation der Milchbauern mit „schlechter Stimmung und Resignation auf den Höfen“. Die Politik und die Nicht-Regierungsorganisationen verschärften die Lage. Die Milchmenge werde zwar zurzeit auf dem Markt untergebracht, aber zu einem viel zu geringen Preis. Für Niedersachsen sei eine Mengenverringerung unrealistisch, weil die Liquiditätsplanung viele Betriebe zu hoher Milchleistung zwinge. Den wissenschaftlichen Beweis erbringe die Studie des Institutes für Ernährungswirtschaft Kiel (ife-Institut) zu Kriseninstrumenten im Milchmarkt: http://media.repro-mayr.de/87/636787.pdf

Jörn Dwehus, Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Landvolkes, berichtete über aktuelle Themen auf Landes- und Bundesebene. Zu letzterer gehörten die Verhandlungen des Bauernverbandes bezüglich Grundwasserqualität, Düngeverordnung und Tierwohl. Auf Landesebene habe der LBV Protest gegen die schlecht aufgelösten Karten eingelegt, die bei der Diskussion um Moorschutz und Vorbehaltsgebiete den Landwirten zur Verfügung gestellt wurden. Er appellierte an die Anwesenden:“ Gehen Sie zu den Veranstaltungen vor Ort, sonst kommt es zu einer schleichenden Enteignung der Landwirte“.

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Dwehus befürchtet eine Schwächung der Landwirtschaftskammer durch den schrumpfenden Etat und sieht hier eine verdeckte Strategie von Minister Meyer. Ebenso kritisch sah er den Ausschluss von Praktikern aus der AG „Wirtschaftliche Folgenabschätzung von Regeln für landwirtschaftliche Betriebe“. Diese vor ca. 1,5 Jahren entstandene Arbeitsgruppe enthalte nach Meyers Wünschen ausschließlich Wissenschaftler, die aber bereits nach 6 Monaten bemerkt hätten, so nicht arbeiten zu können. Zudem würden in die Folgeabschätzung nur langfristige Betrachtungen einfließen, damit würde die aktuelle Krise vernachlässigt und der Strukturwandel angeheizt. Die Folgeabschätzung gehöre in die Hände der Landwirtschaft.

Die Demonstration in Hannover vom 18.09.2015 habe dem Landesverband geholfen, sich Gehör zu verschaffen. Minister Meyer befinde sich immer noch „im Wahlkampfmodus“ und bediene die Interessen der grünen Wähler. Er versuche, einen Keil zwischen die ökologische und die konventionelle Landwirtschaft zu treiben, sei aber nicht einmal selber auf einem Betrieb gewesen. Gleichwohl kommuniziere er den Erfolg der norwegischen Schweinehaltung, übersehe aber die auch dort bestehenden Probleme mit z.B. Schwanzbeißen und Schweineruß.

Dwehus empfahl, in der Öffentlichkeit die Betroffenheit der Betriebe zu schildern, erst mit einem „emotionalen Aufreisser, dann mit Erklärungen“. Steter Tropfen höhle den Stein, insbesondere in der Kommunikation mit lokalen Politikern und Medienvertretern. Gleichwohl brauche die Landwirtschaft einen langen Atem, um ein Umdenken herbeizuführen. Die Landwirte seien zu Veränderungen bereit, wenn sie zu Verbesserungen führten, aber nur in dem Tempo, in dem die Betriebe auch mithalten können.

In der folgenden Diskussion wurden Ideen zum künftigen Milchmarkt diskutiert – von der Mengenreduzierung bis zur Exporterhöhung.

Manfred Ostendorf erläuterte die Absicht der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch, sich an der Kampagne „Echt grün -eure Landwirte“ finanziell zu beteiligen und appellierte an die Anwesenden, beim Neujahrsempfang die politischen Vertretern zu fragen: „Wie stellt Ihr euch die Agrarwende vor?“. Die Landwirtschaft müsse den Spieß umdrehen, um nicht immer die Getriebene zu sein.

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v.li.n.re: Erhard Bauer, Manfred Ostendorf, Jörn Dwehus, Hendrik Lübben, Dr.Karsten Padeken

Tierseuchenfonds des Kreises Wesermarsch e.V. – Jahreshauptversammlung

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden des Tierseuchenfonds, Rolf Baumann, erläuterte Manfred Ostendorf den Geschäftsbericht. Die Beiträge bleiben konstant, die daurch generierten Einnahmen dienten auch dazu, eventuelle Einbrüche z.B. durch ein unerwartetes Auftreten von BHV 1, abzufedern.

Der geschäftsführende Vorstand wurde entlastet, die beiden Kassenprüfer Karsten Meiners und Folker Wefer wiedergewählt.

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Die Bedeutung der Biosicherheit auf Betrieben wurde von allen Referenten betont.

Dr. Norbert Heising, Zweckverband Veterinäramt JadeWeser, betonte diesbezüglich, dass „Vorsichtsmaßnahmen im Sinne der Biosicherheit immer noch eklatant wichtig“ seien. Für BHV-1 gelte eine Tötungsanordnung für Reagenten. Diese könne einen betroffenen Betrieb schnell in wirtschaftliche Nöte bringen. Niedersachsen sei fast reagentenfrei, so werde der Tierhandel mit allen Bundesländern außer Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland erleichtert. Die Attestpflicht bleibe in Niedersachsen noch bestehen.

Ein hohes Risiko der Krankheitsübertragung sieht Heising bei Tierschauen. Hier würde zwar relativ gut untersucht, aber „manche tierische Lebensläufe haben 6-8 Stationen“, und das bedeute eine große Ansteckungsgefahr. Gleichwohl hafte ein Tierhalter mit einem BHV-1 freien Status nicht, wenn er unwissentlich einen Reagenten zu einer Schau bringe. Die Verschleppung des Erregers geschehe z.B. durch „Schnodder“, der an der Kleidung des Tierarztes oder des Besamers kleben bleibe. Hier könne mit betriebseigener Kleidung entgegengesteuert werden. „Treffen Sie lieber Sicherheitsvorkehrungen auf niedrigem Niveau, aber konsequent, als gar keine“, betonte Heising.

Die Problematik bei der Erfassung und Bekämpfung der Paratuberkulose liege in der langen Inkubationszeit von acht Jahren, daher werde diese bei der Geburt des Kalbes übertragbare Krankheit nicht ausgerottet werden können.

Die Blauzungenkrankheit sieht Dr. Heising auf dem Vormarsch, vor allem im süddeutschen Raum werde der Serotyp 8 aus Frankreich und der Typ A3 aus Österreich einwandern. Impfstoff sei knapp bemessen.

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v.li.n.re: Dr. Norbert Heising, Rolf Baumann, Dr. Annette Forró, Manfred Ostendorf

Dr. Annette Forró, Ceva Tiergesundheit GmbH, Düsseldorf, erläuterte in ihrem Vortrag „Q-Fieber – eine unterdiagnostizierte Erkrankung auf dem Vormarsch“ die Relevanz dieser durch das Bakterium Coxiella burnetti hervorgerufenen Infektionskrankheit. Sie ist von Wildtieren, Katzen, Hunden, Rind, Schaf und Ziege auf den Menschen übertragbar. Akute und chronische Verlaufsformen können auftreten. Die Symptome reichen u.a. von Hepatitis, Lungen- oder Hirnhautentzündung bis zu grippeähnlichem Verlauf mit schneller Ermüdbarkeit, Knochenschmerzen usw. Der Erreger „verschanze“ sich im Bereich der Herzklappen.

Das Bakterium wird von infizierten Tieren hauptsächlich über die Nachgeburt ausgeschieden. Trocknet der Erreger z.B. an der Kleidung oder im Stallbereich an wird er durch die Luft und aufgewirbelten Staub übertragen. Auch Zeckenkot auf infizierten Schafen ist eine langlebige Übertragungsquelle, dies betreffe beispielsweise Schafscherer, aber auch Streichelzoos und Tierparks. Da die Inkubationszeit 2-29 Tage betrage, sei es nicht leicht festzustellen, wo man sich angesteckt habe.

Dr. Forró beschrieb die Impferfolge in Rinderbeständen mit verkürzter Güstzeit, Verminderung der Aborte, verbessertem Immunsystem der Tiere und erhöhter Milchleistung. Der Impfstoff sei für Rinder und Ziegen zugelassen. Die Bekämpfung der Krankheit innerhalb eines Betriebes mache Sinn, wenn ein großer Teil der Herde infiziert sei und Übertragungsgefahr auf den Menschen bestehe.

Ball der Landwirtschaft

Über 500 Gäste hatten sich in der Markthalle Rodenkirchen am 5. Dezember 2015 eingefunden, um gemeinsam die Freisprechung und Zeugnisvergabe an 14 Hauswirtschafterinnen, elf Landwirtinnen sowie 32 Landwirte und die Vergabe der Meisterbriefe an eine hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, eine Landwirtschaftsmeisterin und elf Landwirtschaftsmeister zu feiern.

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Die frischgebackenen LandwirtInnen mit (ganz links) Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken, daneben Ausbildungsberater Friedhelm Cordes sowie Frank Mühlenstedt, BBS Varel (hintere Reihe, Mitte) und Ralf Minits (re. daneben) als künftiger Ausbildungsberater der LWK.

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken lud die Absolventen der Land- und hauswirtschaftlichen Ausbildung dazu ein, sich an der Diskussion über die Landwirtschaft zu beteiligen, z.B. auf Veranstaltungen und in den neuen Medien.“ Was macht Ihr, warum und wie?“ Es gehe um die Akzeptanz der Landwirte vor Ort, und dazu müsse diese Arbeit der Gesellschaft gezeigt werden.

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Die strahlenden Hauswirtschafterinnen mit (v.li.) Annegret Schild (BBS Brake), Landrat Thomas Brückmann, Johanna Schawe (LWK) und Karin Logemann (2.v.re).

Landrat Thomas Brückmann betrachtete die vielseitigen Aufgaben der Landwirtschaft als Herausforderung: „Landwirte sind knallharte Unternehmer“ , sie hätten dieses Rüstzeug in ihrer Ausbildung mitbekommen. Er freue sich, dass so viele junge Frauen als Landwirtinnen ausgebildet worden sind.

Nils Hansing berichtete über seine Lehrzeit: “ Ich hatte nicht so ganz viel zu lachen“. Das familiäre Zusammensein und auch mal ein gemeinsames Bier nach Feierabend hatte er aber in guter Erinnerung.“ Die landwirtschaftliche Ausbildung ist vielseitig, interessant und anspruchsvoll. Man wird in das Familienleben mit aufgenommen. Und die Jungs können sich in Punkto Lernen bei den Mädels ein Scheibe abschneiden!“

Als beste Fachschülerin aus der Wesermarsch wurde Ciska Siefken mit einem Buchpreis bedacht, ebenso wie Sven Munderloh als bester Absolvent der zweijährigen Fachschule und Oliver Verhoev als bestem Teilnehmer des Meisterkurses.

Mehr Bilder finden Sie in der Bildergalerie.

 

Bezirksversammlungen „Landvolk im Dialog“

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken gab auf den vier Bezirksversammlungen in Eckfleth, Stollhamm, Bardewisch und Rodenkirchen einen Überblick über die Märkte. Die leichte Anhebung des Milchpreises sei auch ein Erfolg der Proteste – auch wenn nun lediglich 0,5 Cent mehr bei den Milcherzeugern ankäme. Er bedankte sich für das Engagement vor allem der jungen Landwirte: „Diese Aktionen sind für ihre Zukunft ausgerichtet“. Alle Aktionen seien ruhig abgelaufen und hätten öffentlichen Druck auf den Lebensmitteleinzelhandel erzeugt. Auf die Protestbriefe habe bisher lediglich REWE noch nicht geantwortet.

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Manfred Ostendorf und Dr. Karsten Padeken mit den Aufklebern „Ich bin mehr wert als du bezahlen musst“

Die neue „Weideland-Charta“, federführend verfasst vom Grünlandzentrum, diene der Imageförderung der Milchwirtschaft und damit der Daseinsberechtigung in der Zukunft. Alle Haltungsformen hätten ihre Berechtigung, doch „jede Kuh auf der Weide ist ein Werbeträger“.

Die Düngeverordnung befindet sich immer noch in der Abstimmungsphase, mit der Rückkehr der Derogationsregelung wird spätestens 2018 gerechnet.

Betroffen von den Vorgaben zur Verringerung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase sind vor allem Rinderhalter in der Wesermarsch. Gülle dürfe dann nur noch mit Schleppschuhverteiler ausgebracht werden, Lagerstätten müssen abgedeckt werden, Abluftreinigung wird erforderlich.

Das Landesraumordnungsprogramm ist noch nicht fertiggestellt. Mit etwa 90.000 ha Flächenbedarf für die Vorranggebiete zum Torferhalt und die erforderlichen Ausgleichsflächen für die tatsächlichen 4000-5000 ha Vorranggebiet für den Torfabbau wird gerechnet. Die Vorranggebiete für den Biotopverbund bleiben erhalten. Der Kreislandvolkverband wird bei den anstehenden Regionalkonferenzen weiterhin aktiv werden.

Der neue Landschaftsrahmenplan ist fertiggestellt. Hier konnte der Kreislandvolkverband erreichen, dass Flächen herausgenommen oder Anforderungen abgeschwächt wurden. Zusammen mit Politikern und Landkreisen wird weiterhin am Thema gearbeitet.

Die von Gänsen verursachten Schäden haben stark zugenommen, allein in Iffens sind 46 ha „Totalschaden“ zu verzeichnen. In den nächsten drei Jahren wird seitens der Landwirtschaftskammer das so genannte „Rastspitzenmodell“ entwickelt, um solche Schäden finanziell auszugleichen. In Zusammenarbeit mit den Landvolkkreisverbänden aus Friesland und Ostfriesland wird demnächst ein Positionspapier an Minister Wenzel übergeben.

Manfred Ostendorf stellte die Aktion des Bauernverbandes Schleswig-Holstein: „Ich bin mehr wert als du bezahlen musst“ vor und regte die Anwesenden an, diese Aufkleber in den Lebensmittelmärkten anzubringen. Er betonte die „Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit nach innen“, weil dadurch ein starkes Wir-Gefühl unter den Landwirten entstehe. Mit den Radiospots der aktuellen Kampagne „Echt grün – eure Landwirte“ gelinge dieser Schulterschluss auch über die eigene Region hinaus. „Akzeptanz ist das A & O der Zukunft“, erläuterte Ostendorf. Die ordnungsgemäße Landwirtschaft müsse kommuniziert werden. Diesem Tenor würden die Medien als Meinungsbildner sowie die Politik im Anschluss folgen. „Die Landwirtschaft muss die Agrarwende selbst definieren“, dieses Feld dürfe nicht der Politik überlassen werden.

Birgit Luiken stellte das Bildungsprogramm „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ sowie den für Ende Januar geplanten Workshop „Kommunikationstraining“ vor. Hendrik Lübben wird im Februar einen Workshop zum Umgang mit Facebook anbieten.

Uwe Ralle und Hajo Rothe erläuterten die Arbeitsweise des künftigen „Landwirtschaftlichen Fachbeitrages“ zur Vorbereitung des regionalen Raumordnungsprogrammes. Der Fachbeitrag dient dazu, die verschiedenen Nutzungsansprüche abzuwägen und zu koordinieren, wenn es z.B. um Bauleitplanungen, Infrastrukturplanung und Flächennutzung geht. Ralle und Rothe wiesen auf den Liquiditätszuschuss hin, der jetzt von Milchviehbetrieben bei der Hausbank oder von der Rentenbank in Anspruch genommen werden kann. Hierzu berät die Kammer. Desweiterten wurden die Bedingungen einer Betriebsumstellung auf Biomilchproduktion vorgestellt. Bei der Molkerei Ammerland hätten 500 Milcherzeuger Interesse angemeldet. Abschließend wurden die Mechanismen der Warenterminbörse im Bereich der Milchvermarktung erläutert.

 

Gesellschaftliche Akzeptanz für moderne Landwirtschaft verbessern

Steht die Landwirtschaft dem Imageverlust machtlos gegenüber? Falsche Urteile entstünden in der Bevölkerung, weil diese keinen Bezug zur Landwirtschaft habe, erläuterte Hendrik Lübben (Vorsitzender des Milchausschusses Wesermarsch ) die gegenwärtige Situation anlässlich des „Milchabends“ am 08.10.2015 in der Rodenkirchener Markthalle.

Die Auswirkungen des zu niedrigen Milchpreises seien speziell für die Landwirtschaft in der Wesermarsch besonders dramatisch, weil es hier kaum alternative Betriebszweige gebe. „Das ist beim Landesverband noch nicht angekommen“, meinte Hendrik Lübben. Auch die zurzeit vom Lebensmitteleinzelhandel leicht erhöhten Milchpreise helfen nicht wirklich, weil vorher die Käsepreise heruntergehandelt worden seien. Hintergrund: Der größere Teil der angelieferten Milch wird zu Käse verarbeitet, nur 6-10 % stehen als Trinkmilch in den Supermarktregalen.

Hilmar Beenken (Vorsitzender des Milchausschusses Friesland) lobte die Junglandwirte für ihr Engagement bei den Protestaktionen am 15. September 2015. „Bei den vorausgegangenen Strategietreffen ist der Funke übergesprungen. Die Resonanz in den Medien, vor allem auf Facebook, ist grandios!“

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Hilmar Beenken (li) und Hendrik Lübben moderierten den Abend.

Die junge TOP-Agrar-Redakteurin Svenja Pein gab in ihrem Vortrag anschauliche Beispiele über verschiedene Formen der Öffentlichkeitsarbeit, vor allem aus eigener Erfahrung vom elterlichen Betrieb: “ Wir haben an 200 Tagen im Jahr `Tag des offenen Hofes´“. Junge Familien aus Hamburg besuchten gerne das Hofcafé und besichtigten den Betrieb, auch weil man „die Kinder mal laufen lassen kann“.

Die Produktwerbung wecke romantische Vorstellungen, und die Landwirtschaft habe versäumt, diesen Eindruck rechtzeitig zu korrigieren. Verminderte Akzeptanz in der Bevölkerung sei die Folge, und nur der „Landwirt als Botschafter“ könne die Realität glaubwürdig darstellen. „Schildern Sie den Verbrauchern die Emotionen, die Sie bei der Arbeit haben“, ermunterte Svenja Pein die Anwesenden,“ damit zeigen Sie Ihre persönliche Bindung zur Landwirtschaft und zum Tier“. Besonders die Zielgruppe der Schulkinder sei ein dankbares Bindeglied zu den Eltern: „Wenn die Kinder positiv von einem Besuch auf einem Hof erzählen, macht das die Eltern glücklich!“. Aber auch den Lehrern als Multiplikatoren müsse ein positives Bild von der modernen Landwirtschaft vermittelt werden. Im Anschluss gab Svenja Pein verschiedene Tipps zum Umgang mit Medienvertretern sowie dem Internet und empfahl die Nutzung des „periscope“- Dienstes bei Twitter. Hierüber ließen sich Live-Videos direkt ins Netz einspeisen – weltweit.

Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein zeigte ungewohnte Wege auf, mit denen die Landwirtschaft auf sich aufmerksam machen kann. „Wir können nicht mehr `nicht kommunizieren´. Die Landwirtschaft muss mit kritischen Themen ehrlich umgehen“, erläuterte er die Notwendigkeit der Öffentlichkeitsarbeit. Transparenz, Glaubwürdigkeit, Echtheit und Ehrlichkeit seien die Grundlagen einer überzeugenden Kommunikation. Hier helfe auch die Allianz z.B. mit dem Nutztierschutzverein „Pro Vieh“ (www.provieh.de). „Wir müssen uns damit beschäftigen, wie man uns sieht!“. Die Medien würden Leser über Skandale und Sensationen an sich binden, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) würden von der Bevölkerung „als uneigennützige Wächter in der Gesellschaft“ wahrgenommen. Argumente hätten keine Chance mehr, Schuldzuweisungen dominierten.

Sönke Hauschild zeigte an verschiedenen von ihm selbst erstellten Filmbeispielen, wie man „den Bürger mitnehmen kann“. Es gehe „nicht um PR, sondern um Vertrauensbildung“, resümierte er seinen Vortrag und empfahl die Broschüre „Wie man uns sieht und was wir tun können“ (siehe auch http://www.bauernverbandsh.de/fileadmin/aktuelles/dokument/bauern_unter_beobachtung_red.pdf).

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Mitte: Svenja Pein und Sönke Hauschild ermunterten zu mehr Öffentlichkeitsarbeit.

 

Landeserntedankgottesdienst in Rodenkirchen

Der zweite Landeserntedankgottesdienst (im vorigen Jahr fand er im Dom zu Bardowick statt) war leider nicht „kirchenfüllend“ ausgefallen. Veranstalter waren die Marketinggesellschaft der Land- und Ernährungswirtschaft in Niedersachsen und die Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Verschiedene gesellschaftliche Gruppen sollten  ins Gespräch mit der Landwirtschaft gebracht werden. Dazu konnten sich die Besucher in der Hengsthalle zu verschiedenen Themen rund um die Landwirtschaft informieren (siehe auch „Bildergalerie“).

P1080421 webDie Erntekrone mit Schleifen in den Oldenburger Farben zierte die Kirche

Agrarminister Christian Meyer sprach die Probleme, vor denen die Landwirtschaft zurzeit steht, in seiner Rede an und forderte mehr Wertschätzung für Lebensmittel. Nach dem Gottesdienst besuchte er die verschiedenen Informationsstände in der Hengsthalle und wurde von Dr. Christian Schmidt, dem Geschäftführer der Marketinggesellschaft der Land- und Ernährungswirtschaft Niedersachsen, direkt zum Stand des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch geführt. Manfred Ostendorf erläuterte ihm den Hintergrund der Protestaktionen des Kreislandvolkes (u.a. die Aktion vom 15. September vor dem Lebensmitteleinzelhandel ( LEH) mit der Übergabe der Protestbriefe) und forderte ein nachhaltigeres Denken und Handeln vom LEH.

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Der Minister hörte interessiert zu.

Ostendorf erklärte den Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Milchmarktes innerhalb und außerhalb der EU. „Es gibt kein Überangebot an Milch innerhalb der EU. Und ein höherer Preis für Milchprodukte verursacht keinen Einbruch beim Verkauf, wie man am Beispiel der Butter sehen kann. Deren Preis lag in den letzten zwei Jahren höher als heute. Auch wenn der Verbraucher angeblich am liebsten den niedrigsten Preis bezahlt muss dieser nicht unterhalb der Schmerzgrenze für die Landwirte liegen“. Wie kann das Kartellrecht in dieser Situation bemüht werden? Die Abhängigkeit von  wenigen Einkäufern, die aber den größten Teil des Lebensmittelmarktes dominierten, führe zu einer Erpressbarkeit der Erzeuger. Und eine Organisation der Milcherzeuger in Milcherzeugergemeinschaften stehe konträr zu deren bereits vorhandenem Zusammenschluss zu Genossenschaftsmolkereien.

Braker Herbstmarkt

Zahlreiche kreative Stände mit Angeboten für Auge und Magen säumten die Fußgängerzone in Brake. Der Kreislandvolkverband Wesermarsch hatte nicht nur interessantes Infomaterial für groß und klein mitgebracht. Es galt auch, verschiedene Milchsorten zu erschmecken und Fragen rund um die regionale Landwirtschaft zu beantworten.

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Der stellvertretende Bürgermeister Gérard Rünzi (links im Bild) , Kreislandfrau Annegret Schildt und Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken eröffneten mit den Jagdhornbläsern der Kreisjägerschaft Wesermarsch den 15. Braker Herbstmarkt. Die Erntekrone wurde vom Hammelwarder Ortsverein gebunden.

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Jakkelien Bädecker (KLV Wesermarsch) bot vier Milchsorten an, die von den Besuchern erkannt werden sollten.

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Simon Frenzel (re) und Gebke Wessels von der Landjugend testeten den Kenntnisstand der Besucher bezüglich der Milchwirtschaft in der Wesermarsch.

 

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Und Kühe mit vier Hörnern gibt´s sowieso nur in der Wesermarsch!

Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie.

Übergabe der vom Ortsverein Strückhausen gebundenen Erntekrone an den Landrat in Brake

Landrat Thomas Brückmann bedankte sich anlässlich der Erntekroneübergabe am 23.September 2015 bei den anwesenden Vertretern des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch und der KreisLandfrauen Wesermarsch für die ständige und konstruktive Dialogbereitschaft. „Miteinander sprechen ist besser als übereinander zu sprechen“, bekräftigte er und sieht diese Einstellung auch als Grundvoraussetzung, wenn es um Themen geht, die die Landwirtschaft betreffen. Dazu gehören z.B. die Schäden, die den Landwirten durch Gänse und Saatkrähen entstünden wie auch die Gestaltung des Landschaftsrahmenplans, des Landesraumordnungsprogrammes und der Straßennutzung durch schwere Gespanne.

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v.li.n.re: Eilert Büsing (Ortsverein Strückhausen) , Dr. Karsten Padeken, Annegret Schildt, Landrat Thomas Brückmann, Bernd Wübbenhorst und Stefan Müller (beide ebenfalls vom Ortsverein Strückhausen.)

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken schilderte zunächst die angespannte Situation in den landwirtschaftlichen Familienbetrieben, wie sie zurzeit durch den schlechten Milchpreis verursacht werde. Geschäftsführer Manfred Ostendorf bat in diesem Zusammenhang die Mitarbeiter des Landkreises, insbesondere der Baubehörde, den Betrieben mehr Zeit zu lassen, wenn es um bauliche Maßnahmen geht. „Viele Familien stehen jetzt unter einem enormen psychischen Druck und können aufgrund der Marktsituation nicht investieren“, erläuterte er die Lage.

Baudezernent Matthias Wenholt erläuterte, dass „in Hannover was angekommen sei“ – die Stellungnahme des Kreislandvolkverbandes zum Moorschutzprogramm sei 1 zu 1 übernommen worden. „Die Besonderheit der Region ist erkannt worden. Vorranggebiete für den Torfabbau sollen in Vorbehaltsgebiete umgewandelt werden.“

Annegret Schildt, Vorsitzende des KreisLandfrauenverbandes Wesermarsch, legte den Fokus auf die Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen für Frauen sowie den Erhalt von Arztpraxen und einer guten Krankenhausversorgung im ländlichen Raum. Landrat Brückmann betonte, dass „der Landkreis Wesermarsch so gut aufgestellt sei wie kein anderer“, weil er mit sechs Millionen Euro und sehr engagierten Kommunen Maßnahmen fördern könne, die Frauen -auch als Fachkräfte- in die Berufswelt integrieren würden. Ärzte, die sich auf dem Land niederlassen wollten, können ebenfalls gefördert werden.

Für den Kreislandvolkverband bleibt es jetzt spannend mitzuverfolgen, ob die kritischen Punkte bezüglich des Landschaftsrahmenplans sowie die zu entwickelnden Entschädigungsmöglichkeiten für Landwirte, deren Flächen von Gänsen kahlgefressen werden, praxistauglich und zeitnah umgesetzt werden können. „Das Rastspitzenmodell für Grünland ist als Pilotprojekt in Auftrag, aber können die Landwirte so lange warten, bis es umgesetzt wird?“ fragte sich Dr.Karsten Padeken.

 

„Qualität ganz oben“ bei „Preis dauerhaft ganz unten“ geht gar nicht!

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Etwa 200 LandwirtInnen protestierten am 15. September 2015 vor verschiedenen  Supermärkten in der Wesermarsch gegen den dramatischen Verfall des Milchpreises. Hochwertige und nachhaltig produzierte Lebensmittel würden verramscht. Verantwortlich dafür seien die Einkaufsverhandlungen mit der Molkereiwirtschaft, ging aus dem Protestbrief hervor, der den Filialleitern überreicht wurde. Die Milchbauern fordern daher, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel, die Molkereien und Vertreter der Landwirtschaft an einen Tisch setzen, um angemessene Preise zu erzielen. (Siehe auch: Bildergalerie).

 

Der Minister in der Fläche

Pressesprecher Klaus Jongebloed eröffnete die Veranstaltung „Politik für Land und Leute: Agrarminister Christian Meyer im Gespräch vor Ort“ in den Räumen der Seefelder Mühle mit den Worten: „Dies ist eine Welt-Ur-Premiere – sie soll den Minister in die Fläche führen“. Das Landwirtschaftsministerium selbst hat die Sommerreise des Ministers organisiert, und der Termin am Abend des 18. August 2015 wurde von Bürgern und Landwirten sehr gut angenommen – der Saal platzte aus allen Nähten.

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Dr. Karsten Padeken (re) begrüßte den Minister sowie Dr. Arno Krause (Mitte)

Zunächst stellte Geschäftsführer Dr. Arno Krause die Aufgaben des Grünlandzentrums vor und leitete damit zum Thema Honorierung der Weidemilch über. Die Qualitätskriterien der Weidemilch müssten dem Verbraucher gut verständlich kommuniziert werden. Der Lebensmittelhandel beziehe zurzeit Weidemilch aus anderen Bundesländern. Allerdings gebe es keine messbaren Unterschiede in der Milchqualität zwischen Stall- und Weidehaltung. Zudem werde die Weidehaltung durch die neue Düngeverordnung erschwert, ergänzte der erste Vorsitzender des KLV Wesermarsch, Dr. Karsten Padeken.

Minister Meyer betonte, dass die Bevölkerung dann bereit sei, mehr für die Milch zu zahlen, wenn dieses regionale Produkt über ein Label zertifiziert würde. Er stellte eine Förderung der Weidehaltung in Aussicht und berichtete vom niederländischen Vorbild.

Aus dem Publikum kam die Anregung, die Molkerei Botterblom zur getrennten Erfassung von Weidemilch der hiesigen Molkereien zu nutzen.

Bezüglich der Lage der Milchviehbetriebe sieht Meyer die Notwendigkeit, dass sich Landwirte zusammenschließen, um als Handelspartner auf Augenhöhe agieren zu können. Dafür gebe es Förderungen vom Land Niedersachsen. In den letzten 4 Jahren sei die Milchproduktion um 14,2 % gestiegen. Dies belaste nun den europäischen Markt, denn die Molkereien verkauften nur 4-8% ihrer Produkte außerhalb Europas. Eine Möglichkeit, die Milchmenge der Marktsituation anzupassen, gebe es in der freiwilligen Reduzierung der Anlieferungsmenge. Landwirte, die sich dazu bereit erklärten, sollten dafür Geld aus der Überlieferungsabgabe erhalten. Hierzu tauchte die Frage im Publikum auf, welche Milchmenge als Grundlage der Berechnung für den einzelnen Betrieb gelten soll und wie sie zu erfassen sei. Mehr Bürokratieaufwand werde entschieden abgelehnt.

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Wer zu spät kam, musste draußen stehen.

Der Minister schätzt die Wesermarsch als Grünlandregion mit verschiedenen Betriebsgrößen und artgerechter Tierhaltung, „ohne 2000er-Kuhställe“. Bedarf in der Regulierung von Nährstoffeinträgen und Verbesserung von Tierschutzstandards gebe es vorwiegend in den Gebieten Niedersachsens mit hohem Schweine- und Geflügelbestand. Der Flächenverbrauch in Niedersachsen sei zu hoch und belaste die Landwirtschaft . Und auch der Weltmarkt könne die Landschaft verändern „weil Landwirte weniger werden“.

 

Grünlandmanagement: Eine Herausforderung für die Zukunft

Die Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH hatte am 14. Juli 2015 zu einer interessanten Vortragsveranstaltung auf den Betrieb von Manuela und Henning Kruse in Lemwerder eingeladen. Unter der Überschrift „Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft in einer Grünlandregion-Herausforderungen heute und übermorgen“ referierten Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch, sowie Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen-Bremen e.V. Henning Kruse informierte über die Entwicklung seines Betriebes, erklärte den Aufbau der Biogasanlage und führte die Besucher anschließend durch den Milchviehstall (www.kruse-energie.de).

Mehr als einhundert Gäste waren der Einladung gefolgt und hörten zunächst die Geschichte des Betriebes mit seinem Energiekonzept, das sowohl auf der Nutzung von Sonnenenergie wie auch Gülle und Festmist aus der Tierhaltung basiert. Henning Kruse nannte einige Vorteile dieses Konzeptes: Die Gülle stinkt nicht mehr, Nachbarschaftsverhältnisse entspannen sich dadurch. Die CO ²-Bilanz verbessere sich, und das kühlere Stallklima unter dem mit Solarzellen bedeckten Dach komme den Tieren zugute.

Manfred Ostendorf charakterisierte die Wesermarsch als einen Landkreis mit konstant mehr Rindern (120.000) als Einwohner. Unter den derzeit ca. 650 Tierhaltern befinden sich etwa 500 Milcherzeuger. Überwiegend sind es Familienbetriebe, die im Durchschnitt 100 Kühe halten. Die Zahl der Betriebe nimmt um 3% jährlich ab, was hauptsächlich der fehlenden Hofnachfolge geschuldet sei.

Das Grünland spiele als Futtergrundlage eine zentrale Rolle, hier finden jährlich zwischen 3500 € und 5000€ pro Hektar an Wertschöpfung statt. Von gesunden landwirtschaftlichen Betrieben profitiere die ganze Region durch die Belebung der vor- und nachgelagerten Bereiche wie Handel, Handwerk und Dienstleistung.

Dr. Arno Krause berichtete über die Ansprüche, die an das Grünland gestellt werden, beispielsweise der Artenschutz, die Sicherung der Grundwassergüte, der Klimaschutz, die Ernährung der Bevölkerung über den Umweg Weidevieh und Aspekte des Tourismus.

Er betonte die Wichtigkeit von Innovation und Forschung als Grundlage höherer Nutzungseffizienz bei gleichzeitiger Ressourcenschonung. Auch vom Ausland könne einiges gelernt werden. Daher ist das Grünlandzentrum mit ausländischen Partnern gut vernetzt. Die Multifunktionalität des Grünlandes müsse stärker kommuniziert und von Akteuren z.B. aus der Wirtschaft, Politik, Beratung und der Landwirtschaft wertgeschätzt werden.

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v.li.n.re: Ingrid Marten (Wirtschaftsförderung), Dr. Arno Krause; Manfred Ostendorf, Henning Kruse

 

Jahreshauptversammlung 2015 des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken eröffnete die Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch am 11.03.2015 in der Markthalle Rodenkirchen mit einem Rückblick auf die Verbandsaktivitäten: Das Pflugverbot in den Natura 2000-Gebieten konnte gekippt werden, ebenso der Entwurf des Moorschutzprogrammes mit den befürchteten Folgen einer Wiedervernässung. „Wir konnten als Region geschlossen gegen den ersten Entwurf des LROP vorgehen“. Der Dank dafür gilt dem Engagement der Mitglieder wie auch Frau Mdl Karin Logemann (SPD), mit deren Unterstützung die Entwässerungs- und Deichbände von der Sensibilität des Wasserhaushaltes für die Landwirtschaft in der Wesermarsch überzeugt werden konnten.

Dr. Padeken hält die Anforderungen der neuen Düngeverordnung für überzogen und befürchtet einen Rückgang der Weidehaltung. Desweiteren müsse die Wesermarsch mit ihrem hohen Anteil an Weidevieh „wolfsfreie Zone“ werden, um wertvolles Zuchtvieh nicht zu gefährden.

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v.li.n.re: Manfred Ostendorf, Lothar Hövelmann, Dr. Karsten Padeken, MdL Karin Logemann

MdL Karin Logemann unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung von langfristig aufgebauten Zuchtlinien der Nutztiere: “ Wertvolle Zuchttiere sind ein schützenswertes Kulturgut. Schafe schützen Deiche, und Deiche schützen Menschen“. Selbst der Wolfsberater Frank Faß (http://www.wolfcenter.de/Team-Tiere.html) habe erkannt, dass die Koexistenz zwischen Wolf, Mensch und Zuchtvieh schwierig werde.

Karin Logemann sieht die Landwirte zurzeit durch öffentliche Diskussionen in eine Ecke gedrängt. „Pauschal wird ein ganzer Berufsstand an den Pranger gestellt“. Die Öffentlichkeit habe die Maxime der Landwirte – „Geht es meinen Tieren gut, geht es auch dem Betrieb gut“- noch nicht begriffen.

Dr. Lothar Hövelmann, Geschäftsführer des Fachzentrums Landwirtschaft bei der DLG, erläuterte in seinem Vortrag verschiedene Aspekte zum Thema “ Gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft“.

Demnach entstehe der Hauptteil des Kritikpotentials aus der Entfremdung der Gesellschaft von der Landwirtschaft. Waren in 1900 noch 61,8% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt sind es in 2010 nur noch 1,6% gewesen. Dementsprechend verringere sich die Kontaktmöglichkeit zwischen Verbrauchern und Landwirten. Verstärkt werde diese Tendenz noch durch die Tatsache, dass viele Betriebe aus den Dorfkernen ausgesiedelt seien.

Zerrbilder über die Landwirtschaft entstünden auch durch Bücher, Zeitschriften und Filme: „Landwirte schreiben keine Bücher. Das tun Journalisten wie Dieter Moor, der dichtende Biobauer“.

Klassische Themen im öffentlichen Fokus seien z.B. Massentierhaltung, Schnäbelkürzen, Enthornung, Artenvielfalt, Vermaisung der Landschaft und Geruchsbelästigung durch Biogasanlagen.

Die Bevölkerung habe hohe Erwartungen an die Landwirtschaft, aber kaum Kenntnisse über Forschung und Innovation auf diesem Gebiet.

Als Fazit stellte Dr. Hövelmann die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft als regelrechte Betriebserlaubnis dar. Es gebe noch ca. 290.000 Landwirte in Deutschland, und jeder Verbraucher solle mindestens einen Landwirt kennen. Transparenz in der Produktion sei die Voraussetzung für das Verbrauchervertrauen und könne z.B. über Medien wie facebook und eine eigene Betriebshomepage erzeugt werden. Die Kommunikation mit dem Verbraucher gehöre in die Ausbildung der Landwirte ebenso wie in die Planung der betrieblichen Entwicklung. Hier gelte es, Zeit und Budget für diese Art der Kommunikation vorzuhalten. „Die Landwirtschaft gehört mitten in die Gesellschaft, nicht an den Rand. Wir haben es selbst in der Hand“, betonte Dr. Hövelmann abschließend.

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Desweiteren wurden für ihre langjährige Arbeit zwei Mitglieder des Ortsvereines Stollhamm, Hans Willms und Dedo Büsing, mit der silbernen Ehrennadel geehrt. Neuer Kassenprüfer des Verbandes ist Jürgen Meiners.