Übergabe im Kreishaus: Gespräch über medizinische Versorgung, Moor, Wolf und Milchpreise
Seit Mittwoch, 16. September 2026, hängt im Kreishaus der Wesermarsch die neue Erntekrone. Gebunden wurde sie von den Ortslandvolkvereinen Hekeln, Bardewisch und Altenesch.
Die Übergabe ist Tradition – zugleich bietet sie Raum für den Austausch über wichtige Zukunftsfragen der Region. Landrat Stephan Siefken und der Vorsitzende des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, Dr. Karsten Padeken, sprachen unter anderem über die medizinische Versorgung, das Ipweger Moor, den Umgang mit dem Wolf und die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe.
Medizinische Versorgung: Krankenhaus und Arztpraxen im Blick
Die Schließung des Krankenhauses in Brake während der Sommerferien hatte Unruhe ausgelöst. Siefken verwies auf den Standort Nordenham und Helios als Partner. Beides biete eine Perspektive für die stationäre Versorgung in der Region. Offen bleibt die Frage der Haus- und Facharztversorgung auf dem Land. Sie bleibt eine Daueraufgabe, die nicht von allein gelöst wird.
Heike Schmidt, stellvertretende Vorsitzende des KreisLandFrauenverbands Wesermarsch und Bezirksvorsitzende Nordoldenburg im LandFrauenverband Weser-Ems, unterstrich, wie wichtig eine zuverlässige Grundversorgung gerade für Schwangere, Kinder, Familien und ältere Menschen ist. Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 erhält dieser Blickwinkel zusätzliche Aufmerksamkeit.
Ipweger Moor: Gemeinsam Lösungen entwickeln
Einen großen Raum nahm das Projekt „Transformationsprozess Ipweger Moor – Kooperations- und Verbundvorhaben (TIMo)“ ein. Mit rund 8.400 Hektar gehört das Ipweger Moor zu den größten Moorgebieten in Nordwestdeutschland. Die Herausforderung besteht darin, Klimaschutz, Wasserwirtschaft, Biodiversität und die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe miteinander zu verbinden.
„Ich halte nichts davon, Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg zu treffen“, sagte Siefken. Eigentümer, Nutzer, Verbände und weitere regionale Akteure sollen gemeinsam beraten, auf welchen Flächen eine Vernässung möglich ist und wo die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleiben kann. Eine Flurbereinigung kann dabei helfen, Flächen neu zu ordnen und Konflikte zu lösen.
Das Projekt wird bundesweit als Beispiel für einen kooperativen Wandel betrachtet. Der Bund hat den Antrag mit rund 160 Millionen Euro als förderfähig eingestuft, gegebenenfalls kommen weitere zehn Millionen Euro vom Land hinzu. Matthias Wenholt, Dezernent und Erster Kreisrat, mahnte jedoch zur Vorsicht: Die Förderung ist noch nicht endgültig bewilligt. Die mögliche Fördersumme bietet Chancen, bedeutet aber auch Verantwortung.
Wolf: Rechtliche Möglichkeiten konsequent nutzen
Beim Thema Wolf war die Botschaft eindeutig: Die rechtlichen Möglichkeiten in ausgewiesenen Interventionsgebieten müssen konsequent genutzt werden. Die Weidetierhaltung gehört zur Kulturlandschaft der Wesermarsch. Insbesondere die Schafhaltung leistet zudem einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz. Die Folgen für die Tierhalter müssten dabei berücksichtigt werden.
Milchpreis und Flächendruck belasten die Betriebe
Der Marktbericht von Dr. Karsten Padeken zeichnete ein gemischtes Bild. Grünland und Mais entwickelten sich ordentlich, Erträge und Qualitäten seien solide. Wirtschaftlich bleibt die Lage jedoch angespannt: Der Milchpreis liegt bei etwa 40 ct pro Kilogramm. Für eine vollständige Kostendeckung fehlen nach Angaben des Kreislandvolks fünf bis zehn ct pro Kilogramm.
Für die Milchviehbetriebe in der Wesermarsch bedeutet das nach Berechnungen des Kreislandvolks jährlich rund 15 bis 20 Millionen Euro weniger Wertschöpfung.
Bernd Döhle, Verbandsvorsteher des Entwässerungsverbands Stedingen, warnte vor dem fortschreitenden Strukturwandel. Zudem nehme der Flächendruck durch Infrastruktur- und Energieprojekte weiter zu.
Padeken sprach zudem Fragen zu Sonderbauten und Stallbauten sowie zu den damit verbundenen baulichen Genehmigungsverfahren an. Die Wesermarsch ist eine landwirtschaftliche Gunstregion mit guten natürlichen Voraussetzungen. Damit die Betriebe diese Stärken nutzen können, braucht es stabile Rahmenbedingungen und verlässliche politische Unterstützung.
