Starker Impuls von Ortmann: Landwirtschaft in der Wesermarsch braucht Planungssicherheit

Jahreshauptversammlung mit deutlichen Botschaften zu Bürokratieabbau, Zusammenarbeit und wirtschaftlichem Druck.

Die Markthalle in Rodenkirchen stand am Abend des 16. April 2026 ganz im Zeichen der diesjährigen Jahreshauptversammlung. Rund 150 Delegierte und Gäste folgten der Einladung und erlebten einen Abend mit Berichten, Wahlen und einem Impulsreferat von Stefan Ortmann.

Der Vorsitzende Dr. Karsten Padeken eröffnete die Versammlung pünktlich um 20 Uhr. In seinem Bericht ging er zunächst auf die Marktsituation ein. Die Milchpreise seien rückläufig, gleichzeitig flössen die Bestände gut ab und die Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels bleibe hoch. Politisch stünden derzeit mehrere Themen im Fokus. Besonders der § 148 der Gemeinsamen Marktordnung werde von der Mehrheit der Milchviehhaltern kritisch gesehen. Das liege vor allem daran, dass die genossenschaftliche Struktur in der Region gut verankert sei.
Padeken betonte außerdem die große Bedeutung des Bürokratieabbaus, um Investitionen überhaupt möglich zu machen. In Richtung Landrat Stephan Siefken mahnte er an, hier weiter konsequent voranzugehen. Zugleich hob er die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis hervor. Durch den engen Austausch im Arbeitskreis Wiesenvogelschutz sei es gelungen, Zielzahlen anzupassen und praktikable Lösungen zu finden.

Geschäftsführer Manfred Ostendorf stellte in seinem Tätigkeitsbericht den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern in den Mittelpunkt. „Hier sind noch echte Menschen vor Ort und kümmern sich um die Belange der Mitglieder“, sagte Ostendorf. Am Standort Ovelgönne seien derzeit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Geschäftsstelle, Versicherungsabteilung, Dienstleistungsgesellschaft und Unternehmensberatung tätig. Aktuell betreut der Verband 1.476 Mitglieder. Ein Vergleich zeige die Entwicklung deutlich: „Ende 1996, als ich als Geschäftsführer anfing, waren es noch über 3.000 Mitglieder. Diese Zahlen machen den Strukturwandel klar sichtbar.“

Neben seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender berichtete Hendrik Lübben auch als erster Vorsitzender des Vereins „Eure Landwirte – echt grün“. Der Verein tritt seit dem 1. März mit neuer Agentur, neuer Optik und unter dem Titel „Spürbarland“ auf. Die ersten Rückmeldungen seien durchweg positiv. Lübben warb mit seinem Vortrag für die Fortführung der freiwilligen Umlage, die im Anschluss einstimmig beschlossen wurde.

Landrat Stephan Siefken betonte in seinem Grußwort die gute Zusammenarbeit zwischen Kreislandvolk und Kreisverwaltung. Viele Themen ließen sich nur gemeinsam lösen, etwa die Wiedervernässung der Moore. „Wir reden miteinander und nicht übereinander – das ist ein echter Standortvorteil für die Wesermarsch“, sagte Siefken. Zugleich forderte er vom Land eine klare Umsetzung der Bundesvorgaben zum Wolf, um die Wesermarsch wolfssicher zu halten. Trotz großer Herausforderungen zeigte er sich zuversichtlich: Mit engagierten Landwirtinnen und Landwirten und einem starken Kreislandvolkverband sei die Region gut aufgestellt.

Einen breiten Blick auf die landes- und bundespolitische Lage gab Stefan Ortmann, Hauptgeschäftsführer des Landvolks Niedersachsen. Er stellte heraus, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe unternehmerisch denken und täglich weitreichende Entscheidungen treffen müssten. Ortmann betonte: „Landwirtschaft ist Unternehmertum. Es geht um Risiko, um langfristige Investitionen und um Entscheidungen, die ganze Familien betreffen.“ Gleichzeitig hob er die Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Landwirtschaft hervor und zeigte auf, dass hohe Kosten und ein zunehmend schwieriges Investitionsklima viele Betriebe belasten.

Die turnusmäßigen Vorstandswahlen verliefen ohne Gegenkandidaturen. Dr. Karsten Padeken wurde einstimmig als erster Vorsitzender bestätigt. Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurden sein Stellvertreter Hendrik Lübben sowie die Vorstandsmitglieder Marco Hekert und Dirk Hanken.

Zum Abschluss ehrte der Verband langjährige Wegbegleiter. Betriebshelfer Lutz Helms erhielt eine Auszeichnung für 40 Jahre Einsatz. Für die langjährige und verlässliche Zusammenarbeit bedankte sich der Verband außerdem bei Thomas Garden vom Landkreis Wesermarsch aus der unteren Naturschutzbehörde.